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  • Stichtag 31. Januar - Auf den Spuren des Lemberger -


    31.01.2011

    Am 31. Januar 1884 wurde Theodor Heuss, der  erste Präsident der Bundesrepbublik Deutschland, im schwäbischen Weinort Brackenheim geboren. Prof. Dr. Heuss war ein exzellenter Weinkenner,  und schrieb 1905  seine Doktorarbeit zum Thema: "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn a. Neckar." In seinem Amt als Bundespräsident  war er  ein unbezahlbarer Werbebotschafter für die Württemberger Weine und insbesondere für den Lemberger.

    Heuss Lieblingswein war der Brackenheimer Zweifelsberg, ein Wein der über eine  gute Struktur verfügt und mit seiner feinherben Art und angenehmen Säure, unkomplizierten Trinkgenuß bereitet. Die Winzergenossenschaft ehrt den berühmtesten Sohn der Zabergäu-Gemeinde mit einer Lemberger Spätlese vom Zweifelsberg als Sonderedition "Theodor Heuss Museums-Wein".

    Der Lemberger gilt als Aushängeschild der württembergischen Weinkultur und ist die unumstrittene Nummer 1 der Roten Gewächse an Neckar und Enz. 

     

    Der englische Weinkritiker Stuart Pigott führte mit der "Heilbronner Stimme" ein Interview, das am 2. Okt. 1999 veröffentlicht wurde. Hierin heißt es u.a.:

    Hst:: Die Paradesorte in Württemberg ist eigentliche der Lemberger. Wie würden Sie den perfekten Lemberger in Worte fassen?"

    Pigott:"Ungefähr so, ein Wein mit großen Freitreppen, Reihen von Säulen uns in Stein gemeißelte Helden, die in die Ewigkeit zu reiten scheinen. Nach diesem perfekten Lemberger sehne ich mich. Aber es gibt ihn nicht, es gibt ihn nicht annähernd. Hier und da deuten ein paar Weine darauf hinb, was möglich ist. Deshalb rufe ich die Wengerter auf, nicht müde zu werden. Denn, wenn der wahre Lemberger kommt, dann wird er nicht nur mich überraschen und auch nicht nur die deutschen Kollegen, dann überrascht er die Weinwelt."
    (Quelle: Richard Hachenberger "Auf den Spuren des Lembergers"IPa, 1. Aufl. 2000)

     Nun in den 10 Jahren seit diesem Interview hat sich hier schon einiges bewegt:

    Winzer wie Ernst Dautel, Rainer Wachtstetter,Rainer SchnaitmannGerhard Aldinger, Karl Haidle  und Graf Neipperg, der beim Deutschen Rotweinpreis 2010 mit seinem 2008er Lemberger Schwaigerner Ruthe Grosses Gewächs den 1. Platz belegte, sind peu à peu  mit ihren Lembergern  in die Spitzenliga der deutschen Rotweinmacher. aufgerückt.

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    Ein kleiner Exkurs zum Lemberger

    Bezeichnung: Die 1875 von der internationalen ampelographischen Kommission in Colmar durchgesetzte Bezeichnung "Blaufränkisch" hat sich in Deutschland nicht etabliert. Hier wird die Rebsorte fast nur als Lemberger bezeichnet, lediglich das Weingut des Hauses Württemberg ( Hofkammerkellerei) nannte die Rebsorte bis vor wenigen Jahren "Limberger", bestockt ist die Lage "Gündelbacher Steinbachhof". Synonyme sind "Blauer Limberger", in Österreich ist die Bezeichnung "Blaufränkisch" gebräuchlich. "Kékfrankos" heißt die Rebe in Ungarn, in Nordostitalien "Franconia". Selbst im US-Staat Washington wird die Rebsorte als "Lemberger" bezeichnet und überzeugt mit herausragend guten Qualitäten!

    Verbreitung: Wird fast nur in Württemberg (9,8% der Rebfläche {2000}) angebaut, in anderen Rotweingebieten nur wenig verbreitet.

    Ausgewählte Sortenmerkmale: Mittelgroße, runde dunkelblaue Beeren mit fester Schale. Mittelspäte Reife, nach dem Spätburgunder.

    Aromencharakteristik:

    Der Lemberger verbindet die Finesse des Burgunders mit der Kraft des Cabernet. Duft nach schwarzen Johannisbeere, Brombeere, Fruchtdrops, grüner Paprika, Wacholderbeere, aber auch oft mit leicht pfeffrigem Abgang.

    Lagenansprüche: Höher als beim Spätburgunder. Muschelkalkböden bringen eher ungewöhnliche Weine. Die traditionellen Keuperstandorte in Württemberg ergeben oftmals "feurige" Kreszenzen. Selten wird er auf Löß/ Lehmböden angebaut.

    Wein/Ertrag: Tiefrote, kräftig-körperreiche Weine mit dezentem bis kräftigem Gerbstoffgehalt (bei hohen Mostgewichten und überwiegender Maischegärung für Barrique geeignet). Ertrag etwa 70 - 80 l/a und höher, mit 70 - 80 Grad Öchsle (oft auch mehr) und etwa 7 Promille Säure. Tief dunkelrote Farbe. Feinfruchtig in der Jugend, langsame Reife zu kräftigem, körperreichem und nachhaltigem Wein. Lange lagerfähig. Französischster unter den altbekannten deutschen Rotweinen. Die Lembergerweine und ihre Cuvées haben mit ihrem markantstoffigen Charakter erheblich zur Anerkennung der deutschen Rotweine in der Weinwelt beigetragen.

    Herkunft: Vermutlich alte österreichische Sorte (= Blaufränkisch), wohl erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Württemberg heimisch geworden. Es finden sich auch Angaben, dass der Lemberger mit dem "Blauen Portugieser" über Johann Philipp Bronner (z.B. "Der Weinbau im Königreich Würtemberg", 1837) nach Deutschland gekommen sei. Anderen Quellen nach seit etwa 300 Jahren durch Graf Neipperg in Schwaigern (bei Heilbronn) in Württemberg heimisch, Belege hierfür fehlen.

    (Quelle: www.lemberger-wein.de)

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