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  • Gault Millau WeinGuide Deutschland 2011 - Die 13 Anbaugebiete im Überblick


    11.01.2011

    Die 13 deutschen Anbaugebiete im Überblick

    Ahr: Ein großer Jahrgang liegt in den Fässern

    Der Jahrgang 2006 galt bislang bei vielen Winzern in diesem kleinen Anbaugebiet
    zwischen Sinzig und Altenahr als der beste der letzten Zeit. Doch der
    2009er wird ihm nun kräftig Konkurrenz machen. Einzig das schlechte Wetter,
    das den Ertrag im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Viertel reduzierte, war
    ein Wermutstropfen auf ein ansonsten ideales Weinjahr. Geschmacklich besitzen
    die ersten verkosteten 2009er ein Jahrgangsaroma, das an Sauerkirsche
    erinnert. Selten haben junge Ahrweine so ein hervorspringendes Bukett und
    eine solche Farbintensität entwickelt.
    Die hervorragende Gerbstoffausreifung, die nach Meinung der strengen Verkoster
    über der von 2006 liegt, macht die Weine ungemein attraktiv in ihrer Jugend.

    »Die ungestüme Fruchtigkeit wird die Zeit bändigen. Richtig spannend wird es
    im nächsten Jahr, wenn die große Anzahl an barriquegereiften Roten zur Probe
    ansteht. Die ersten wirklich feinen Beispiele konnten wir vom Weingut Brogsitter
    probieren, das mit seiner Kollektion der 2009er überzeugte«, berichten Christoph
    Dirksen und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    Die Redaktion hat auch einen neuen Trend in der Region entdeckt: Mehr und
    mehr etabliert sich der Blanc de Noirs, der hell ausgebaute Spätburgunder, im
    Ahrtal. Es gibt den von leichter Restsüße geprägten Stil, der die manchmal eckige
    Säure abpuffern kann, Beispiel Weingut Meyer-Näkel. Eine rassige, pikante,
    frische Fruchtigkeit ist einer anderen Art zu eigen: trocken, herzhaft, burschikos
    zum Beispiel der Blanc de Noirs vom Weingut Brogsitter. Die Ausprägung eines
    von zartherben Noten unterlegten Blanc de Noirs erkennt man beim Weingut
    Kreuzberg. Und dann noch der burgundische Typ: vom Holzfass geprägt, aber
    immer noch mit der dem Spätburgunder eigenen Säure.
    Das Spitzenquartett, das die Ahr anführt, ist unangefochten: Adeneuer, Deutzerhof,
    Meyer-Näkel und Jean Stodden. Die Redaktion begrüßt das Weingut
    Burggarten in Heppingen in der Drei-Trauben-Klasse. »Gerne würdigen wir den
    großen Ehrgeiz der Familie Schäfer, die in den letzten Jahren immer charaktervollere
    Weine bereitet hat«, lobt Joel Payne. Neu in der Trauben-Kategorie ist
    das Weingut Kreuzberg – Im Burggarten, das neben sehr guten Spätburgundern
    auch für seine malerische Straußwirtschaft in Dernau bekannt ist.
    Insgesamt 20 Betriebe mit einer und mehr Trauben werden ausführlich besprochen,
    sieben weitere sind empfehlenswert.

    Baden: Bercher zurück in der Vier-Trauben-Riege

    Bei den ersten Fassproben der strengen Gault Millau-Verkoster deutete sich
    bereits an: Das letztjährige Traumpaar von 2007er Rotweinen und 2008er
    Weißweinen findet mit 2008 und 2009 eine kongeniale Nachfolgepaarung. Kein
    Wunder also, dass dieser kleinklimatische Glücksfall Badens Winzer zu Höchstleistungen
    anstachelte, finden Otto Geisel und der Chefredakteur des Gault Millau
    WeinGuide, Joel Payne.
    An seine früheren Höchstleistungen kann auch das Weingut Bercher in Burkheim
    anknüpfen. Das homogenste Sortiment –weiß wie rot – stellte dieses Jahr
    Familie Bercher vor, eine grandiose Leistung, die der Redaktion vier Trauben
    wert ist. An glanzvolle Tage erinnert auch das Weingut Dr. Heger in Ihringen.
    Joachim Heger konnte, ebenso wie Bercher, gleich zwei Burgunderweine unter
    den jeweils besten zehn des ganzen Landes platzieren.
    Diese Ausnahmeleistungen konnte nur noch einer toppen: Bernhard Huber, der
    wieder einmal unter Beweis stellte, dass er nicht ohne Grund mit fünf Trauben
    an der Gebietsspitze rangiert. Der Malterdinger Rotweinmagier brach nach sieben
    Jahren die Pfälzer Dominanz an der deutschen Spätburgunder-Spitze. Sein
    phänomenales Großes Gewächs aus dem Hecklinger Schlossberg hatte in der
    Bundesfinalprobe letztlich die Nase vorn – und mit 96 Punkten auch noch ein
    Traumergebnis eingefahren. Zudem kamen noch zwei weitere 2008er Spätburgunder
    von Huber unter die besten zehn des Landes.
    Noch größer aber war die Sensation bei den weißen Burgunderweinen. Vorbei
    an den großartigen Gewächsen von Bercher und Heger und der starken Konkurrenz
    aus der Pfalz schoss ein Badener Betrieb ganz an die Spitze, mit dem im

    Vorfeld keiner gerechnet hatte. Martin Waßmer aus Bad Krozingen-Schlatt landete
    mit seiner trockenen Spätlese vom Chardonnay aus der weithin noch unbekannten
    Lage Dottinger Castellberg den großen Überraschungsschlag und fand
    sich auf Rang eins wieder.
    Schöne Entdeckungen zu machen gibt es bei vielen Genossenschaften mit blitzblanker
    Aromatik bei feinen, süffigen Weißweinen (Auggen), stoffigen Rotweinen
    (Sasbach) und mit besonders gut gelungenen edelsüßen Raritäten (Durbach).
    Fündig kann der Weinfreund bereits bei den »weiter empfehlenswerten
    Betrieben« werden, denn auch hier war das Preis-Leistungsverhältnis wohl noch
    nie so gut, haben Otto Geisel und Joel Payne festgestellt.
    Der betörendste Süßwein des Jahres ist eine Scheurebe Beerenauslese aus Durbach!
    Er stammt aus dem Gut von Wolff-Metternich und zwar aus der Lage
    Schloss Grohl, woher in den 60er und 70er Jahren regelmäßig prächtige Edelsüße
    kamen. Der begehrteste Wein Badens aber stammt aus einer Sorte, die bei
    Weinkennern als Massenware verschrien ist: Bernhard Hubers Müller-Thurgau
    gibt es nur in der Magnumflasche und ist inzwischen so begehrt, dass er schon
    subskribiert wird!
    Aufsteiger auf drei Trauben sind Schloss Staufenberg des Markgrafen von Baden
    sowie Burg Ravensburg. Mit zwei Trauben dürfen sich nun DZ Danner, Hermann
    und Zalwander schmücken. Insgesamt fünf Neulinge begrüßt die Redaktion
    unter den Traubenbetrieben: Bosch, Schloss Eberstein, Gebrüder Müller,
    Winzergenossenschaft Sasbach und Hubert Vollmer.
    Insgesamt werden im neuen Gault Millau WeinGuide 91 Erzeuger aus Baden
    ausführlich dargestellt, weitere 33 Betriebe gelten als empfehlenswert.

    Franken: Arno Augustin ist die »Entdeckung des Jahres«

    In Sulzfeld am Main machte die Redaktion des Gault Millau WeinGuide in diesem
    Jahr die »Entdeckung des Jahres«. Arno Augustin vom gleichnamigen Weingut
    hat die strengen Prüfer rundum überzeugt. Deren Lob fällt deutlich aus: »Bescheiden
    lässt er lieber seine Weine sprechen – und diese haben einiges zu
    sagen. Knackiger Silvaner, geschliffener Weißburgunder, saftiger Merlot – hier
    meldet sich ein Senkrechtstarter zu Wort«. Zum Weingut gehört noch ein Vinotel,
    das mit einfallsreich gestalteten Themenzimmer überzeugen kann.
    2009 feierte Deutschland das Jubiläum »350 Jahre Silvaner«. Die Franken feierten
    es besonders intensiv, weil die ersten urkundlich erwähnten Silvaner-Reben
    anno 1659 auf fränkischem Boden in Casteller Fluren gepflanzt wurden. Die
    fränkischen Winzer belohnten sich zum Jubiläum selbst, denn schon mit den
    Jungweinen zeichnete sich ab, dass ein ausgezeichneter Silvaner-Jahrgang in
    den Fässern und Tanks lag. »Gut ein halbes Jahr später war es auch in unseren
    umfangreichen Verkostungen schnell klar, dass 2009 exzellente Silvaner angefallen
    waren«, berichten Rudolf Knoll und der Chefredakteur des Gault Millau
    WeinGuide, Joel Payne..
    Die besten Silvaner des Jahrgangs, die zugleich die besten in ganz Deutschland
    sind, stammen gleich zweimal vom Würzburger Juliusspital, gefolgt von weiteren
    Pracht-Exemplaren aus dem Hause Rainer Sauer. Horst Sauer, Fürst Löwenstein,
    Graf Schönborn, Schmitts Kinder, Dr. Heigel und Wirsching komplettieren
    die Liste der besten Silvaner des Jahrgangs 2009.

    Diesmal hat das Trio an der Spitze mit Castell, Fürst und Sauer Zuwachs bekommen.
    Zu ihnen gesellte sich das Würzburger Juliusspital, dessen Investitionen
    in die Kellerwirtschaft sehr qualitätsfördernd waren und das mit einer tollen
    Kollektion auftrumpfte. Paul Fürst und Horst Sauer sind Primus inter pares bei
    den Vier-Trauben-Betrieben, wobei Fürst derzeit die Nase vorn hat.
    Die Drei-Trauben-Kategorie verzeichnet gleich fünf Neuzugänge. Rückkehrer
    Glaser-Himmelstoß gehört ebenso dazu wie Dr. Heigel, Reiss, Egon Schäffer und
    der Staatliche Hofkeller in Würzburg. Eine ganze Phalanx von Aufsteigern dürfen
    künftig zwei Trauben tragen: Günther Bardorf, Heilmann, Höfling, Meier und
    Meintzinger. Gleich sechs Neulinge verzeichnete die Klasse mit einer Traube,
    darunter mit der Winzergemeinschaft Franken ein ganz großer Genossenschaftsbetrieb
    auf Qualitätskurs. Überhaupt haben die Genossenschaften in
    den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt.
    Insgesamt werden 69 Güter und ihre Weine im neuen Gault Millau WeinGuide
    ausführlich vorgestellt, 31 weitere schafften die Aufnahme in die Rubrik der
    empfehlenswerten Betriebe.

    Hessische Bergstraße: Qualitätssteigerung in vielen Betrieben

    Der gute Jahrgang 2009 führte in diesem kleinen Anbaugebiet zwischen Heppenheim
    und Zwingenberg zu einer Qualitätssteigerung in den meisten Betrieben.
    »Der Jahrgang ist geprägt von harmonischer Fruchtsäure und Eleganz. Es
    ist die große Aromenvielfalt, die in vielen Weinen zur Geltung kommt und die
    Qualität des Jahrgangs belegt. Rotweinfreunde aber sollten sich sputen: Bei
    einem Ertrag von nur 60 Prozent des Vorjahrs droht ein früher Ausverkauf«, raten
    Hans-Wilhelm Apelt und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel
    Payne, den Weinfreunden.
    Das Zwingenberger Weingut Simon-Bürkle die unbestreitbare Nummer eins in
    der Region. Man spürt, dass hier stetig an der Qualität gearbeitet wird. Allerdings
    schläft die Konkurrenz nicht, wie etwa das etablierte Staatsweingut der
    Domaine Bergstraße. Eine stabile Leistung konnte die Redaktion auch beim
    Weingut der Stadt Bensheim verzeichnen. Die Bergsträßer Winzergenossenschaft
    ist schon länger »eine Bank« und enttäuschte auch diesmal nicht bei den
    Verkostungen. Das Weingut Edling als kleiner Familienbetrieb hat sich mit konstanten
    Leistungen fest in der Ein-Trauben-Kategorie etabliert. Neuling ist die
    Odenwälder Winzergenossenschaft. Das bereits etablierte Weingut Brücke-Ohl
    hat sich ebenfalls leicht verbessert.
    Fünf Traubenbetriebe von der Hessischen Bergstraße sind im neuen WeinGuide
    gelistet, vier weitere Güter sind als empfehlenswert eingestuft.

    Mittelrhein: Ein gelungenes Spätlesejahr

    Wie im Jahr 2008 probierten die strengen Verkoster des Gault Millau WeinGuide
    auch vom Jahrgang 2009 klassischen Mittelrheinriesling mit elegantem, feinem
    Frucht-Säure-Spiel und nicht zu hohem Alkoholgehalt. Während 2008 eher ein
    Jahrgang mit Kabinettstückchen war, schreibt sich der Jahrgang 2009 als gelungenes
    Spätlesejahr in die Geschichtsbücher ein. »Erneut konnten die halbtrockenen
    und feinherben Riesling ihre besondere Stellung in dieser Region unter
    Beweis stellen«, berichten Hans-Jürgen Podzun und der Chefredakteur des Gault
    Millau WeinGuide, Joel Payne.

    Mit 440 Hektar bleibt die Region zwischen Bacharach und Bonn gut überschaubar.
    Der Flächenrückgang ist allerdings zum Stillstand gekommen. Vor allem die
    Topbetriebe erweitern ihre Fläche. Eine Ausnahme macht da nur Florian Weingart,
    der die Lage Schloss Fürstenberg abgegeben hat und sich nun auf seinen
    angestammten Besitz konzentrieren will. Zugleich stemmen die beiden Spitzenbetriebe
    Müller und Weingart ein großes Investitionsvolumen, gleichermaßen im
    Keller wie in den Präsentationsräumen.
    Die beiden Spayer Güter stehen nach wie vor unangefochten als Vier-Trauben-
    Betriebe an der Spitze der Hierarchie. Seinen Drei-Trauben-Status konnte Didinger
    nicht halten, wodurch diese Klasse nunmehr nur noch von den beiden Bacharachern
    Jost und Ratzenberger besetzt ist. Lanius-Knab und Selt rutschten in
    die Ein-Trauben-Zone ab, die aber mit Lelke-Müller einen starken Zuwachs verzeichnen
    kann. Der Gastronom Andreas Lelke (Königswinter) und der Winzer
    Manfred Müller haben sich zusammengetan und bewirtschaften Weinberge in
    Leutesdorf mit zunehmendem Erfolg.
    Das romantische Mittelrheintal, von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben,
    bleibt fest in den Händen von einigen leistungsfähigen Familienbetrieben, wovon
    der neue Gault Millau WeinGuide 18 in der Traubenklasse vorstellt. Dazu
    kommen immerhin noch acht »weitere empfehlenswerte Betriebe«.

    Mosel: Schubert zurück in der Vier-Trauben-Klasse

    Ob 2009 ein Jahrhundertjahrgang ist, wie allenthalben angekündigt, haben die
    umfangreichen Verkostungen der Gault Millau-Redaktion letztlich auch an der
    Mosel nicht entscheiden können. Fest steht allerdings: Das allgemeine Niveau
    ist sehr hoch und viele Weine sind exzellent. Ob sie zu wahrer Größe heranreifen,
    wird die Zukunft zeigen. »Unsere Prognose ist gut«, sagen Dr. Peter Henk
    und Dr. Eckhard Kiefer sowie der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide,
    Joel Payne.
    Die Erträge waren zum Teil sehr niedrig. In den besten Fällen entstanden so
    Weine mit großer Konzentration und mineralischer Rasse. Edelfäule trat außer
    an der Terrassenmosel nur im untergeordneten Maße auf. So wundert es nicht,
    dass aus den Winninger Gütern Heymann-Löwenstein und Knebel auch zwei der
    besten Trockenbeerenauslesen des Jahres stammen.
    Carl-Ferdinand von Schubert feiert de Rückkehr in die Vier-Trauben-Klasse. Das
    Ruwer-Traditionsgut setzte sich auf der Bundesfinalprobe gleich mehrfach bestens
    in Szene. So landete ein Riesling aus dem Maximin Grünhäuser Abtsberg
    bei den Auslesen auf Rang zwei. Schubert und sein Betriebsleiter Stefan Kraml
    stellten aber auch unter Beweis, dass sie die leichte Seite der Klassik beherrschen.
    Ihr herrlich frischer, mineralisch-animierender Kabinett aus dem Herrenberg
    ist Gewinner in dieser Kategorie.
    Gerade im Auslese-Bereich bestach auch die Mittelmosel. Die brillanten Klassiker
    aus dem Hause J. J. Prüm erzielten drei Platzierungen in unserer Bestenliste.
    Doch der Wein des Jahres kommt aus Graach: Willi Schäfers grandiose Versteigerungsauslese
    aus dem Domprobst war nicht zu schlagen.
    Im gebietsinternen Wettstreit hat in diesem Jahr die Saar die Nase leicht vorn.
    So überzeugte das Weingut von Hövel mit seinen schlanken, klassischen Kabinette,
    während bei Müller und Zilliken die Spät- und Auslesen hervorstachen.
    Gewohnt stark waren im feinherben Bereich die Weine von Lauer, van Volxem
    und Weinhof Herrenberg. Von Othegraven stellte eine geschlossene Kollektion
    mit eindrucksvollen Gewächsen aus den alten Reben des Kanzemer Altenbergs
    vor.
    Das Niveau der trockenen Rieslinge ist erneut gestiegen, hat die Gault Millau
    Redaktion in zahllosen Verkostungen ermittelt. Der Jahrgang 2009 scheint ideal
    gewesen zu sein, um Prototypen dieses Stils zu erzeugen. Dabei verdienen die
    Gewächse von Markus Molitor und Grans-Fassian eine besondere Erwähnung.
    Mit durchaus unterschiedlichen Stilen stehen sie 2009 für die Gebietsspitze im
    trockenen Bereich. Auch Weiser-Künstlers »Große Eule« aus dem Enkircher
    Zeppwingert fügt sich in ein in die immer länger werdende Reihe sehr guter trockener
    Mosel-Rieslinge.
    Die Autoren sind auch angetan von der Entwicklung an der Obermosel, an der
    Grenze zu Luxemburg. Dort haben einige junge Winzer in den letzten Jahren
    deutlich an Qualität zugelegt. Doch nicht mit Riesling, sondern mit Elbling und
    Burgundersorten, die dort bevorzugt gedeihen. Matthias Hild aus Wincheringen
    hat sich nunmehr die erste Traube verdient.
    Kein anderes Anbaugebiet verfügt über eine solche Phalanx an Spitzen-
    Weingütern wie die Mosel.
    Fritz Haag, Egon Müller und Joh. Jos. Prüm bilden das
    Triumvirat der weltbesten Weinerzeuger an der Gebietsspitze. Ihm folgt ein Dutzend
    Weingüter mit vier Trauben, wobei Schubert einziger Aufsteiger in diesen
    erlauchten Kreis ist.
    In keiner anderen Region ist das Mittelfeld im Traubenbereich so stark wie an
    Mosel, Saar und Ruwer. 31 Erzeuger mit drei Trauben, sogar 42 Güter mit zwei
    Trauben sind der Beleg für die hohe Qualitätsdichte in diesem Anbaugebiet. Carl
    Loewen und Martin Müllen freuen sich über drei Trauben, Blees-Ferber und Später-
    Veit sind neu in der Zwei-Trauben-Klasse. Gleich acht Erzeuger haben den
    Aufstieg in die Traubenklasse geschafft, vier mussten aber auch absteigen.
    Insgesamt 124 Betriebe und ihre Weine haben die Autoren an Mosel, Saar und
    Ruwer ausführlich besprochen, soviel wie in keiner anderen deutschen Weinregion.
    Dazu kommen 62 als empfehlenswert eingestufte Güter.

    Nahe: Drei neue mit drei Trauben

    Die ehemalige Staatliche Weinbaudomäne Niederhausen-Schlossböckelheim
    war jahrzehntelang der Leuchtturm im Nahe-Weinbau. Doch bereits Ende der
    1980er Jahre kam eine Phase der Stagnation. Jetzt will ein potenter Investor es
    wissen: neuer Name, neues Erscheinungsbild, neuer Weinmacher, neuer Stil –
    und das alles in Verbindung mit einigen der großartigsten Weinberge der Nahe.
    »Wir probierten herrlich kraftvolle Rieslinge mit Würze und Spannung«, lautet
    das Fazit von Carsten Henn und Joel Payne, Chefredakteur des Gault Millau
    WeinGuide. Und sie vergaben auf Anhieb drei Trauben.
    Aber auch in der Stille haben sich weitere Aufsteiger prächtig entwickelt. Immer
    besser wurden in den letzten Jahren die Weine der Hahnmühle im abgelegenen
    Alsenztal, vor allem die trockenen und edelsüßen Rieslinge. »Die heimlichen

    Stars der Kollektion sind aber die Traminer – Weine mit Tiefe und Kraft«, erläutern
    Henn und Payne. In den letzten Jahren schaffte es auch das Meddersheimer
    Weingut Bamberger, eigene Akzente zu setzen. »So faszinierend wie 2009 gerieten die Rieslinge noch nie«, lobt die Redaktion. Seit Jahren schon bestimmen
    die Sekte Jahre den guten Ruf des Hauses. Beide Güter rückten in die Drei-
    Trauben-Zone vor.

    Es tut sich viel an der Nahe, der lange Jahre der Ruf anhaftete, nicht ganz so
    dynamisch zu sein wie größere Anbaugebiete, zum Beispiel Rheinhessen oder
    die Mosel. Etliche Neuaufnahmen im Bereich der »Weiteren empfehlenswerten
    Betriebe« könnten bereits im nächsten Jahr den Sprung in die Traubenriege
    schaffen. Markus Hees hat bei Harald Hexamer gelernt, Christian Honrath absolvierte
    ein Praktikum bei Emrich-Schönleber und Christian Bamberger war an der
    University of California in Davis. Das Weingut Closheim in Langenlonsheim
    schaffte es bereits in diesem Jahr in die Traubenriege. Vor allem die sehr modern
    und auf den Punkt vinifizierten Weine von Tochter Anette konnten die
    strengen Verkoster begeistern. Mit rassigen Rieslingen und mineralisch-straffen
    Burgundern schaffte das Weingut der Gebrüder Kauer aus Windesheim den
    Sprung in die Zwei-Trauben-Kategorie.
    Insgesamt zehn Weine konnten Nahegüter in diesem Jahr in den bundesdeutschen
    Spitzenreiter-Listen platzieren. Aber es sind nur vier Weingüter, aus denen
    diese Ausnahme-Gewächse kommen. Erneut mit einem grandiosen Sekt auf
    Champagner-Niveau (Cuvée Mo) trumpfte das Schlossgut Diel auf. Im gelang mit
    einer Goldkapsel aus dem Dorsheimer Goldloch auch der Sprung unter die besten
    Riesling Auslesen des Jahrgangs 2009. Die meisten Nennungen erzielte erneut
    das Weingut Schäfer-Fröhlich aus Bockenau, das vier seiner Weine in den
    Listen der Besten platzieren konnte.
    Großartig die Leistung von Emrich-Schönleber: Neben einer Trockenbeerenauslese
    bei den Edelsüßen räumte das Monzinger Weltklasse-Gut auch bei den trockenen
    Rieslingen ab: Platz zwei für den Monzinger Halenberg (95 Punkte), geschlagen
    nur von einem Ausnahmewein aus Rheinhessen. Nur knapp unterlag
    auch Helmut Dönnhoff in der Kategorie der besten edelsüßen Rieslinge. Seine
    phantastische Trockenbeerenauslese aus der Niederhäuser Hermannshöhle
    erzielte sensationelle 99 Punkte und musste sich nur einem 100-Punkte-Wein
    aus dem Rheingau geschlagen geben.
    Insgesamt 39 Betriebe haben die Autoren ausführlich beschrieben und deren
    Weine bewertet, 26 weitere werden empfohlen.

    Pfalz: Philipp Kuhn ist der »Aufsteiger des Jahres«

    Schon seit einiger Zeit reiht Philipp Kuhn einen großartigen Jahrgang an den
    nächsten. Grund genug für die Redaktion des Gault Millau WeinGuide, den Laumersheimer
    Ausnahme-Winzer zum »Aufsteiger des Jahres« auszurufen. »Seit er
    mit gerade einmal 20 Jahren das Familienweingut 1992 übernahm, hat er sich
    mit großer Energie in die pfälzische Spitze emporgearbeitet. Feinmineralischer
    Riesling und samtiger Spätburgunder begeistern«, lautet das Urteil von Jürgen
    Mathäß, Matthias Mangold und dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide,
    Joel Payne.
    Vor zwei Jahren hatte bereits ein weiterer Laumersheimer einen hohen Ehrentitel
    eingefahren: Das Weingut Knipser war »Winzer des Jahres«. Jetzt gelang den
    Brüdern Volker und Werner Knipser ein weiterer Coup: Sie steigen auf in den
    Olymp der Fünf-Trauben-Betriebe. Gerade mal zehn Güter, die absolute deutsche
    Spitze, befinden sich dort. Ihre Weine bewegen sich durchweg auf Weltklasse-Niveau.

    Das trifft auch auf die Knipsers zu, die gleichermaßen überragende
    trockene Rot- und Weißweine erzeugen: eine große Rarität.
    2008 war bereits ein exzellentes Rieslingjahr mit frischen, mineralischen, säurebetonten
    Weinen. 2009 fielen die Rieslinge wieder etwas kraftvoller aus, blieben
    aber dennoch strukturiert und oft mineralisch. Beide Jahrgänge dürften sehr
    gut in der Flasche reifen. Doch 2009 bescherte der Pfalz doppeltes Vergnügen:
    Der trocken-warme Herbst brachte den Pfälzer Winzern auch weitestgehend
    gesunde, reife Burgundertrauben. Weltklasse-Burgunder mit Dichte und mineralischer
    Kraft wie die Weine von Rebholz, Knipser, Wehrheim oder der fast stilbildend
    mineralische Chardonnay von Becker weisen deutlich in Richtung mehr
    Mut zu Kontur und Komplexität. Die Roten dürften im kommenden Jahr für hohe
    Bewertungen sorgen.
    Auf einen Umbruch deuten Veränderungen in diesem Jahr hin. Einige angesehene
    Traditionsbetriebe können offenbar mit der furiosen Entwicklung der Region
    nicht im gewünschten Maß mithalten. Bedauernswerte Abwertungen wie bei
    Müller-Catoir, Münzberg oder Schaefer sind Beispiele dafür. Andererseits gibt
    es gerade bei jüngeren Betrieben, die teilweise erst vor wenigen Jahren auffällig
    wurden, beachtliche Karrieren.
    In der Betriebs-Hierarchie sind entsprechende Bewegungen zu verzeichnen.
    Gleich vier Betriebe können sich auf die dritte Traube freuen: Acham-Magin,
    Ludi Neiss, Karl Pfaffmann und Rings, der einen regelrechten Sturmlauf hinlegt.
    Neu in der Zwei-Trauben-Klasse sind Ackermann, Gerhard Klein und Zelt. Allerdings
    verzeichnet die Redaktion auch neun Abstiege von drei auf zwei Trauben
    bzw. von zwei Trauben auf eine Traube. Vier neue Betriebe wurden in die Traubenklasse
    aufgenommen: der Jesuitenhof, Lergenmüller, Klaus Meyer und Pfirmann.
    Insgesamt zählen die Autoren 88 Erzeuger zu den Traubenbetrieben. Außerdem
    werden 42 weitere Betriebe empfohlen.

    Rheingau: Johannes Leitz ist der »Winzer des Jahres«

    Es ist nicht das erste Mal, dass Johannes Leitz sein großes Können gezeigt hat.
    Doch seine Leistungen in letzter Zeit waren so überragend, dass die Redaktion
    des Gault Millau den Rüdesheimer zum »Winzer des Jahres« gekürt hat. »Anfangs
    war sein Name nicht einmal in Rüdesheim bekannt. Inzwischen gelten die
    Weine dieses Gutes als Inbegriff großartiger Rheingau-Rieslinge – nicht nur in
    der Heimat, sondern auch in London oder New York«, loben Giuseppe Lauria und
    der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    Selten haben die strengen Prüfer in der Spitze im Rheingau so eine Phalanx an
    starken trockenen, feinherben, frucht- und edelsüßen Weinen verkostet. Die
    2009er Rieslinge sind spannungsgeladene Weine mit Strahlkraft, klarer Frucht,
    enormer Dichte und reifer Säure. Die Extraktwerte kamen mancherorts sogar an
    2003 heran, nur eben gepaart mit lebendiger, finessenreicher Säure, die den
    Weinen Frische und Länge verleiht. Durch die Bank spricht die deshalb die Redaktion
    von sehr guten bis ausgezeichneten 2009er Qualitäten.
    An der Spitze der Region festigt das Weingut Weil mit einer beachtlichen Kollektion
    seine Führung. Bei den edelsüßen Rieslingen kann keiner dem Kiedricher
    Traditionsgut das Wasser reichen: deutschlandweit. Wie im Jahrgang 2003
    knackte Weil erneut mit einem absoluten Ausnahmewein die 100-Punkte-Marke.
    Die atemberaubende Trockenbeerenauslese aus dem Kiedricher Gräfenberg ließ
    die gesamte Konkurrenz bei der Bundesfinalprobe hinter sich. Dazu kamen zwei
    weitere Weil-Edelsüße unter die ersten sechs. Doch damit nicht genug. Auch die
    beste Riesling Spätlese des Jahres kommt aus dem Kiedricher Mustergut.
    Eine ähnliche Performance legte nur noch das Weingut Leitz hin. Der »Winzer
    des Jahres« war so dominant, dass er in der Kategorie der feinherben Rieslinge
    gleich einen Doppelschlag landete: Zwei Weine aus dem Rüdesheimer Berg Kaisersteinfels
    belegen die Ränge eins und zwei. Auch bei den trockenen Rieslingen
    trumpfte Leitz mit einem beeindruckenden Pärchen auf. Der Berg Rottland
    und der Berg Schlossberg erreichen die Plätze vier und fünf in einem Wettbewerb
    mit enormer Qualitätsdichte.
    Gunter Künstler schafft nach zwei grandiosen Jahrgängen den Sprung in die
    Klasse der Betriebe mit vier Trauben. Der Hochheimer überzeugt vor allem mit
    seinen überragenden trockenen Rieslingen. Der Rüdesheimer Berg Schlossberg
    vom Weingut Georg Breuer landete unter den besten trockenen Rieslingen
    Deutschlands. Schloss Johannisberg präsentierte die vermutlich beste Kollektion
    seit Jahrzehnten. Schloss Schönborn punktete mit einer homogenen Kollektion,
    die famose Trockenbeerenauslese aus dem Marcobrunn gehört zur deutschen
    Spitze.
    Das Bischöfliche Weingut in Rüdesheim schaffte den Sprung in die Zwei-
    Trauben-Klasse. Vier Weingütern gelang aus dem Stand der Sprung in die Traubenwelt:
    dem Traditionsgut Schumann-Nägler, Ehrhard aus Rüdesheim, Goldatzel
    in Johannisberg und der Newcomerin Eva Fricke.
    Im neuen Gault Millau WeinGuide werden insgesamt 71 Güter und ihre Weine
    ausführlich vorgestellt. Zehn weitere empfehlenswerte Betriebe runden das
    Angebot aus dieser Region ab.

    Rheinhessen: Keller und Raumland punkten mehrfach

    Die Natur bot den rheinhessischen Winzern in 2009 alle Möglichkeiten, fantastische
    Weine zu erzeugen. Allerdings waren Spitzenweine trotz der idealen Bedingungen
    längst keine Selbstverständlichkeit. Denn wie in den Vorjahren hatten
    nur die Weine den letzten Kick, deren Trauben von der spannenden Phase
    des Herbstes ab Mitte Oktober profitierten. Wer 2009 zu sorglos und unbekümmert
    bei bester Witterung und sommerlichen Temperaturen erntete, fuhr zwar
    ganz gute Weine ein; mehr aber auch nicht. Das ist das Fazit von Manfred Lüer
    und dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, nach umfangreichen
    Verkostungen.
    Die besten Weine hat wieder einmal Klaus Peter Keller aus Flörsheim-Dalsheim
    erzeugt. Er ist der einzige Winzer Rheinhessens, der auf der Bundesfinalprobe
    Weine platzieren konnte. An der Spitze steht das phänomenale Große Gewächs
    aus der Westhofener Abtserde, das mit 96 Punkten souverän zum besten trockenen
    Riesling Deutschlands aus dem Jahrgang 2009 gekürt wurde. Kellers GMax
    steht diesem Wein aber nur wenig nach und belegte am Ende den dritten
    Rang. Auch unter den besten Auslesen und Edelsüßen des Landes ist Keller
    mehrfach vertreten.
    Mit diesem fulminanten Auftritt konnte beim Finale nur ein Betrieb aus Rheinhessen
    mithalten: das Sekthaus Raumland, auch in Flörsheim-Dalsheim zuhause.
    Sage und schreibe vier Sekte von diesem Ausnahme-Betrieb schafften den
    Sprung in die Top Ten der besten Winzersekte des Landes. Platz eins, zwei, fünf
    und sieben gingen an Raumland. An der Spitze steht der 1997er Pinot Brut aus
    dem Dalsheimer Bürgel, dicht gefolgt vom Chardonnay Brut Prestige aus 2004,
    beides Sekte, die es mit Spitzen-Champagner aufnehmen können. Nach dieser
    grandiosen Vorstellung verlieh die Redaktion Raumland die dritte Traube.
    Alleine ganz vorne in der Region steht Keller unverändert mit fünf Trauben. Philipp
    Wittmann in Westhofen hat sich an die Spitze der Vier-Trauben-Betriebe
    gesetzt. In diese Gruppe gehört auch Wagner-Stempel in Siefersheim. Sie hat
    nun Verstärkung bekommen, nachdem das Weingut Kühling-Gillot in Bodenheim
    aufgestiegen ist. H.O. Spanier und Carolin Gillot haben ihren bis dato besten
    Jahrgang von der Rheinfront eingefahren.
    Groß ist erneut die Zahl der Aufsteiger in diesem Jahr. So konnten sich neben
    dem Sekthaus Raumland auch Hofmann, Peth-Wetz, Thörle und Arndt F. Werner
    auf drei Trauben verbessern, Becker Landgraf, Bettenheimer, Bischel, Gysler,
    Karl May und Schätzel sich jeweils über die zweite Traube freuen. Nach wie vor
    sprießen zahlreiche talentierte Jungwinzer wie Pilze aus dem Boden. So wurde
    wieder ein stattliche Zahl an ersten Trauben vergeben.
    Insgesamt 89 Trauben-Betriebe werden ausführlich beschrieben. 57 weitere
    sind als »empfehlenswert« eingestuft, darunter einige Neulinge.

    Saale-Unstrut: 2009 mussten die Weine zugeteilt werden

    Die Winzer an Saale und Unstrut waren etwas verwöhnt von den Erntemengen
    und Wetterbedingungen der letzten Jahre. Doch Anfang 2009 richteten strenge
    Fröste ernsthafte Schäden in den Weinbergen an. Zudem verrieselte zum Teil die
    Blüte, was die Menge nochmals reduzierte. Trotz allem konnte durch einen
    warmen Sommer und eher trockenen Herbst eine qualitativ gute Ernte eingebracht
    werden. Der Jahrgang präsentiert sich mit sehr guter Fruchtkonzentration
    und reifen Säuren, hat Matthias Dathan zusammen mit dem Chefredakteur des
    Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, festgestellt.
    Bernard Pawis bleibt Platzhirsch in der Region. Er zeigte die mit Abstand beste
    Kollektion und kam mit dem schwierigen Jahrgang am besten zurecht. Bei André
    Gussek mussten die Weine des Jahrgangs 2009 fast zugeteilt werden, da die
    Toplage Kaatschener Dachsberg fast keinen Ertrag brachte. Auf ansteigendem
    Niveau befindet sich auch Uwe Lützkendorf.
    Gleich drei neue Betriebe begrüßt die Redaktion in der Ein-Trauben-Riege. Das
    Gleinaer Weingut Böhme hat den Sprung dorthin ebenso geschafft wie das
    Weingut Hey in Naumburg. Zurück in dieser Klasse ist auch das Thüringer Weingut
    Bad Sulza. Bei den empfehlenswerten Betrieben zeigen die Winzervereinigung
    Freyburg und das Landesweingut Kloster Pforta weiter ansteigende Form.
    Insgesamt acht Erzeuger wurden mit Trauben ausgezeichnet. Weitere sechs
    Betriebe halten die Autoren für empfehlenswert.

    Sachsen: 2009 mit guter Balance von Säure und Frucht

    An das Jahr 2009 werden sich die Winzer in Sachsen wahrscheinlich noch lange
    erinnern. Die Januarfröste reduzierten die Erträge um fast 40 Prozent. Bis zum
    April war es hier sehr kalt, ein Frühling fand praktisch nicht statt. Schlechtes
    Wetter während der Rebblüte führte zu weiteren Ertragseinbußen. Ein guter
    brachte dann doch Weine hervor, die gerade im einfachen Qualitätsbereich
    durch viel Extrakt, Rasse, Würze und reife Säure geprägt waren. Im Vergleich zu
    2008 fällt die bessere Balance aus Säure und Fruchtigkeit der Weine auf. Das
    haben Matthias Dathan und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel
    Payne, in zahlreichen Verkostungen ermittelt.
    Schloss Proschwitz und Klaus Zimmerling führen das Gebiet mit drei Trauben
    an, sind in ihrer Philosophie allerdings weiterhin so verschieden wie nur möglich.
    Ihnen folgt das Weingut Schloss Wackerbarth allerdings mittlerweile dicht
    auf den Fersen. Sehr klare, mineralisch betonte Weine prägen dort den Jahrgang.
    Merklich klein ist die Ernte bei Winzer Martin Schwarz ausgefallen, der in
    seiner Toplage Meißner Kapitelberg fast keinen Ertrag hatte.
    Auch Winzer wie Friedrich Aust und Vincenz Richter konnten ihre Qualitäten
    leicht verbessern. Mit einer bravourösen Leistung stieg Frédéric Fourré in die
    Trauben-Kategorie auf. Die Besonderheit dieser Region bleibt die kleine Schar
    an qualitätsorientierten Weingütern, die ihre Weine erfolgreich auch überregional
    vermarkten können. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Klein- und
    Kleinstbetrieben, die ihre Weine oft auch im hauseigenen Gutsausschank an die
    Kundschaft bringen.
    Es sind ingesamt acht Güter, die in Sachsen mit einer oder mehr Trauben ausgezeichnet
    wurden. Dazu kommen noch vier empfehlenswerte Betriebe.

    Württemberg: Aldinger stellt die »Kollektion des Jahres«

    Einer der wichtigsten Titel, den der Gault Millau WeinGuide zu vergeben hat,
    geht in diesem Jahr nach Württemberg. Das Weingut Gerhard Aldinger in Fellbach
    hat den strengen Verkostern des Gault Millau die »Kollektion des Jahres«
    aufgetischt. Die Redaktion lobt: »Seit Jahren steht er an der Spitze im Ländle.
    Nun krönt Gert Aldinger mit Unterstützung seiner Söhne Hansjörg und Matthias
    sein Lebenswerk mit den besten Weinen seiner Karriere – darunter ein Lemberger,
    der in neue Dimensionen strebt«.
    Dabei scheint Aldingers überwältigendes 2008er Großes Gewächs aus dem
    Fellbacher Lämmler symptomatisch für eine neue Entwicklung zu sein, haben
    Frank Kämmer und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne,
    herausgefunden. Während vor Jahren noch die Rotwein-Cuvées die Schlagzeilen
    bestimmten und dann die Spätburgunder in neuem Glanz erstrahlten scheint
    sich nun diese Entwicklung auch auf den eigentlichen Rotweinklassiker Württembergs,
    den Lemberger, auszudehnen, loben die strengen Verkoster.
    Sie haben zudem einen weiteres Juwel im Ländle entdeckt, das sich zum Kult-
    Rotwein entwickeln könnte. Nach sage und schreibe sieben Jahren Reife im Fass
    hat Albrecht Schwegler aus Korb seinen »Solitär« vorgestellt, eine faszinierende
    2003er Assemblage aus Cabernet Franc, Merlot und Zweigelt »von umwerfender
    Komplexität und immer noch feinrassiger Frische«, wie die Redaktion schreibt.
    Nach wie vor ein ausgesprochenes Ärgernis in Württemberg sind die zum Teil
    viel zu hohen Alkoholgehalte, finden Kämmer und Payne. Bei den Lembergern,
    Zweigelt und Spätburgundern sind 14 Alkoholprozent längst nicht mehr die
    Ausnahme, sondern oft fast schon die Regel. Ja sogar Rieslinge, Kerner und
    Sauvignon Blanc werden nun als solche Superschwergewichte in den Ring geschickt.
    »Ohne Frage sind viele dieser wuchtigen Gewächse tatsächlich überaus
    beeindruckend, jedoch kommen uns ernsthafte Zweifel, wer diese alkoholstarken
    Weinen tatsächlich trinken soll«, fragen sich Kämmer und Payne.
    Konstanz herrscht in der Hitliste der besten Württemberger Winzer. Die beiden
    Stars aus Fellbach, Aldinger und Schnaitmann, bleiben unerreicht, gefolgt von
    dem sehr guten Trio Haidle, Ellwanger und Dautel. Von den jungen Winzertalenten
    schaffte dieses Jahr Alexander Heinrich aus Sülzbach im Weinsberger Tal
    den Aufstieg in die Klasse der Ein-Trauben-Betriebe. Bei den Genossenschaften,
    die hier rund drei Viertel der Ernte verarbeiten, bestätigt die Weinmanufaktur
    Untertürkheim
    souverän ihre Stellung als beste Kooperative Deutschlands,.
    Die Autoren stellen die 38 besten Betriebe des Anbaugebietes ausführlich mitsamt
    ihren Weinen vor und geben 26 weitere Empfehlungen, die oft zu interessanten
    und auch preiswerten Weinen führen.


    Der Text ist zum Abdruck freigegeben.

    www.gaultmillau.de und unter www.christian-verlag.de
    GAULT MILLAU WeinGuide Deutschland 2011
    18. Jahrgang, 914 Seiten, 29.95 €
    ISBN 978-3-86244-003-0, Christian Verlag GmbH, München

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