Der Jahrgang 2006 galt bislang bei vielen Winzern in diesem kleinen Anbaugebiet
zwischen Sinzig und Altenahr als der beste der letzten Zeit. Doch der
2009er wird ihm nun kräftig Konkurrenz machen. Einzig das schlechte Wetter,
das den Ertrag im Vergleich zum Vorjahr um knapp ein Viertel reduzierte, war
ein Wermutstropfen auf ein ansonsten ideales Weinjahr. Geschmacklich besitzen
die ersten verkosteten 2009er ein Jahrgangsaroma, das an Sauerkirsche
erinnert. Selten haben junge Ahrweine so ein hervorspringendes Bukett und
eine solche Farbintensität entwickelt.
Die hervorragende Gerbstoffausreifung, die nach Meinung der strengen Verkoster
über der von 2006 liegt, macht die Weine ungemein attraktiv in ihrer Jugend.
»Die ungestüme Fruchtigkeit wird die Zeit bändigen. Richtig spannend wird es
im nächsten Jahr, wenn die große Anzahl an barriquegereiften Roten zur Probe
ansteht. Die ersten wirklich feinen Beispiele konnten wir vom Weingut Brogsitter
probieren, das mit seiner Kollektion der 2009er überzeugte«, berichten Christoph
Dirksen und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
Die Redaktion hat auch einen neuen Trend in der Region entdeckt: Mehr und
mehr etabliert sich der Blanc de Noirs, der hell ausgebaute Spätburgunder, im
Ahrtal. Es gibt den von leichter Restsüße geprägten Stil, der die manchmal eckige
Säure abpuffern kann, Beispiel Weingut Meyer-Näkel. Eine rassige, pikante,
frische Fruchtigkeit ist einer anderen Art zu eigen: trocken, herzhaft, burschikos
zum Beispiel der Blanc de Noirs vom Weingut Brogsitter. Die Ausprägung eines
von zartherben Noten unterlegten Blanc de Noirs erkennt man beim Weingut
Kreuzberg. Und dann noch der burgundische Typ: vom Holzfass geprägt, aber
immer noch mit der dem Spätburgunder eigenen Säure.
Das Spitzenquartett, das die Ahr anführt, ist unangefochten: Adeneuer, Deutzerhof,
Meyer-Näkel und Jean Stodden. Die Redaktion begrüßt das Weingut
Burggarten in Heppingen in der Drei-Trauben-Klasse. »Gerne würdigen wir den
großen Ehrgeiz der Familie Schäfer, die in den letzten Jahren immer charaktervollere
Weine bereitet hat«, lobt Joel Payne. Neu in der Trauben-Kategorie ist
das Weingut Kreuzberg – Im Burggarten, das neben sehr guten Spätburgundern
auch für seine malerische Straußwirtschaft in Dernau bekannt ist.
Insgesamt 20 Betriebe mit einer und mehr Trauben werden ausführlich besprochen,
sieben weitere sind empfehlenswert.
Bei den ersten Fassproben der strengen Gault Millau-Verkoster deutete sich
bereits an: Das letztjährige Traumpaar von 2007er Rotweinen und 2008er
Weißweinen findet mit 2008 und 2009 eine kongeniale Nachfolgepaarung. Kein
Wunder also, dass dieser kleinklimatische Glücksfall Badens Winzer zu Höchstleistungen
anstachelte, finden Otto Geisel und der Chefredakteur des Gault Millau
WeinGuide, Joel Payne.
An seine früheren Höchstleistungen kann auch das Weingut Bercher in Burkheim
anknüpfen. Das homogenste Sortiment –weiß wie rot – stellte dieses Jahr
Familie Bercher vor, eine grandiose Leistung, die der Redaktion vier Trauben
wert ist. An glanzvolle Tage erinnert auch das Weingut Dr. Heger in Ihringen.
Joachim Heger konnte, ebenso wie Bercher, gleich zwei Burgunderweine unter
den jeweils besten zehn des ganzen Landes platzieren.
Diese Ausnahmeleistungen konnte nur noch einer toppen: Bernhard Huber, der
wieder einmal unter Beweis stellte, dass er nicht ohne Grund mit fünf Trauben
an der Gebietsspitze rangiert. Der Malterdinger Rotweinmagier brach nach sieben
Jahren die Pfälzer Dominanz an der deutschen Spätburgunder-Spitze. Sein
phänomenales Großes Gewächs aus dem Hecklinger Schlossberg hatte in der
Bundesfinalprobe letztlich die Nase vorn – und mit 96 Punkten auch noch ein
Traumergebnis eingefahren. Zudem kamen noch zwei weitere 2008er Spätburgunder
von Huber unter die besten zehn des Landes.
Noch größer aber war die Sensation bei den weißen Burgunderweinen. Vorbei
an den großartigen Gewächsen von Bercher und Heger und der starken Konkurrenz
aus der Pfalz schoss ein Badener Betrieb ganz an die Spitze, mit dem im
Vorfeld keiner gerechnet hatte. Martin Waßmer aus Bad Krozingen-Schlatt landete
mit seiner trockenen Spätlese vom Chardonnay aus der weithin noch unbekannten
Lage Dottinger Castellberg den großen Überraschungsschlag und fand
sich auf Rang eins wieder.
Schöne Entdeckungen zu machen gibt es bei vielen Genossenschaften mit blitzblanker
Aromatik bei feinen, süffigen Weißweinen (Auggen), stoffigen Rotweinen
(Sasbach) und mit besonders gut gelungenen edelsüßen Raritäten (Durbach).
Fündig kann der Weinfreund bereits bei den »weiter empfehlenswerten
Betrieben« werden, denn auch hier war das Preis-Leistungsverhältnis wohl noch
nie so gut, haben Otto Geisel und Joel Payne festgestellt.
Der betörendste Süßwein des Jahres ist eine Scheurebe Beerenauslese aus Durbach!
Er stammt aus dem Gut von Wolff-Metternich und zwar aus der Lage
Schloss Grohl, woher in den 60er und 70er Jahren regelmäßig prächtige Edelsüße
kamen. Der begehrteste Wein Badens aber stammt aus einer Sorte, die bei
Weinkennern als Massenware verschrien ist: Bernhard Hubers Müller-Thurgau
gibt es nur in der Magnumflasche und ist inzwischen so begehrt, dass er schon
subskribiert wird!
Aufsteiger auf drei Trauben sind Schloss Staufenberg des Markgrafen von Baden
sowie Burg Ravensburg. Mit zwei Trauben dürfen sich nun DZ Danner, Hermann
und Zalwander schmücken. Insgesamt fünf Neulinge begrüßt die Redaktion
unter den Traubenbetrieben: Bosch, Schloss Eberstein, Gebrüder Müller,
Winzergenossenschaft Sasbach und Hubert Vollmer.
Insgesamt werden im neuen Gault Millau WeinGuide 91 Erzeuger aus Baden
ausführlich dargestellt, weitere 33 Betriebe gelten als empfehlenswert.
In Sulzfeld am Main machte die Redaktion des Gault Millau WeinGuide in diesem
Jahr die »Entdeckung des Jahres«. Arno Augustin vom gleichnamigen Weingut
hat die strengen Prüfer rundum überzeugt. Deren Lob fällt deutlich aus: »Bescheiden
lässt er lieber seine Weine sprechen – und diese haben einiges zu
sagen. Knackiger Silvaner, geschliffener Weißburgunder, saftiger Merlot – hier
meldet sich ein Senkrechtstarter zu Wort«. Zum Weingut gehört noch ein Vinotel,
das mit einfallsreich gestalteten Themenzimmer überzeugen kann.
2009 feierte Deutschland das Jubiläum »350 Jahre Silvaner«. Die Franken feierten
es besonders intensiv, weil die ersten urkundlich erwähnten Silvaner-Reben
anno 1659 auf fränkischem Boden in Casteller Fluren gepflanzt wurden. Die
fränkischen Winzer belohnten sich zum Jubiläum selbst, denn schon mit den
Jungweinen zeichnete sich ab, dass ein ausgezeichneter Silvaner-Jahrgang in
den Fässern und Tanks lag. »Gut ein halbes Jahr später war es auch in unseren
umfangreichen Verkostungen schnell klar, dass 2009 exzellente Silvaner angefallen
waren«, berichten Rudolf Knoll und der Chefredakteur des Gault Millau
WeinGuide, Joel Payne..
Die besten Silvaner des Jahrgangs, die zugleich die besten in ganz Deutschland
sind, stammen gleich zweimal vom Würzburger Juliusspital, gefolgt von weiteren
Pracht-Exemplaren aus dem Hause Rainer Sauer. Horst Sauer, Fürst Löwenstein,
Graf Schönborn, Schmitts Kinder, Dr. Heigel und Wirsching komplettieren
die Liste der besten Silvaner des Jahrgangs 2009.
Diesmal hat das Trio an der Spitze mit Castell, Fürst und Sauer Zuwachs bekommen.
Zu ihnen gesellte sich das Würzburger Juliusspital, dessen Investitionen
in die Kellerwirtschaft sehr qualitätsfördernd waren und das mit einer tollen
Kollektion auftrumpfte. Paul Fürst und Horst Sauer sind Primus inter pares bei
den Vier-Trauben-Betrieben, wobei Fürst derzeit die Nase vorn hat.
Die Drei-Trauben-Kategorie verzeichnet gleich fünf Neuzugänge. Rückkehrer
Glaser-Himmelstoß gehört ebenso dazu wie Dr. Heigel, Reiss, Egon Schäffer und
der Staatliche Hofkeller in Würzburg. Eine ganze Phalanx von Aufsteigern dürfen
künftig zwei Trauben tragen: Günther Bardorf, Heilmann, Höfling, Meier und
Meintzinger. Gleich sechs Neulinge verzeichnete die Klasse mit einer Traube,
darunter mit der Winzergemeinschaft Franken ein ganz großer Genossenschaftsbetrieb
auf Qualitätskurs. Überhaupt haben die Genossenschaften in
den letzten Jahren deutlich an Qualität zugelegt.
Insgesamt werden 69 Güter und ihre Weine im neuen Gault Millau WeinGuide
ausführlich vorgestellt, 31 weitere schafften die Aufnahme in die Rubrik der
empfehlenswerten Betriebe.
Der gute Jahrgang 2009 führte in diesem kleinen Anbaugebiet zwischen Heppenheim
und Zwingenberg zu einer Qualitätssteigerung in den meisten Betrieben.
»Der Jahrgang ist geprägt von harmonischer Fruchtsäure und Eleganz. Es
ist die große Aromenvielfalt, die in vielen Weinen zur Geltung kommt und die
Qualität des Jahrgangs belegt. Rotweinfreunde aber sollten sich sputen: Bei
einem Ertrag von nur 60 Prozent des Vorjahrs droht ein früher Ausverkauf«, raten
Hans-Wilhelm Apelt und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel
Payne, den Weinfreunden.
Das Zwingenberger Weingut Simon-Bürkle die unbestreitbare Nummer eins in
der Region. Man spürt, dass hier stetig an der Qualität gearbeitet wird. Allerdings
schläft die Konkurrenz nicht, wie etwa das etablierte Staatsweingut der
Domaine Bergstraße. Eine stabile Leistung konnte die Redaktion auch beim
Weingut der Stadt Bensheim verzeichnen. Die Bergsträßer Winzergenossenschaft
ist schon länger »eine Bank« und enttäuschte auch diesmal nicht bei den
Verkostungen. Das Weingut Edling als kleiner Familienbetrieb hat sich mit konstanten
Leistungen fest in der Ein-Trauben-Kategorie etabliert. Neuling ist die
Odenwälder Winzergenossenschaft. Das bereits etablierte Weingut Brücke-Ohl
hat sich ebenfalls leicht verbessert.
Fünf Traubenbetriebe von der Hessischen Bergstraße sind im neuen WeinGuide
gelistet, vier weitere Güter sind als empfehlenswert eingestuft.
Wie im Jahr 2008 probierten die strengen Verkoster des Gault Millau WeinGuide
auch vom Jahrgang 2009 klassischen Mittelrheinriesling mit elegantem, feinem
Frucht-Säure-Spiel und nicht zu hohem Alkoholgehalt. Während 2008 eher ein
Jahrgang mit Kabinettstückchen war, schreibt sich der Jahrgang 2009 als gelungenes
Spätlesejahr in die Geschichtsbücher ein. »Erneut konnten die halbtrockenen
und feinherben Riesling ihre besondere Stellung in dieser Region unter
Beweis stellen«, berichten Hans-Jürgen Podzun und der Chefredakteur des Gault
Millau WeinGuide, Joel Payne.
Mit 440 Hektar bleibt die Region zwischen Bacharach und Bonn gut überschaubar.
Der Flächenrückgang ist allerdings zum Stillstand gekommen. Vor allem die
Topbetriebe erweitern ihre Fläche. Eine Ausnahme macht da nur Florian Weingart,
der die Lage Schloss Fürstenberg abgegeben hat und sich nun auf seinen
angestammten Besitz konzentrieren will. Zugleich stemmen die beiden Spitzenbetriebe
Müller und Weingart ein großes Investitionsvolumen, gleichermaßen im
Keller wie in den Präsentationsräumen.
Die beiden Spayer Güter stehen nach wie vor unangefochten als Vier-Trauben-
Betriebe an der Spitze der Hierarchie. Seinen Drei-Trauben-Status konnte Didinger
nicht halten, wodurch diese Klasse nunmehr nur noch von den beiden Bacharachern
Jost und Ratzenberger besetzt ist. Lanius-Knab und Selt rutschten in
die Ein-Trauben-Zone ab, die aber mit Lelke-Müller einen starken Zuwachs verzeichnen
kann. Der Gastronom Andreas Lelke (Königswinter) und der Winzer
Manfred Müller haben sich zusammengetan und bewirtschaften Weinberge in
Leutesdorf mit zunehmendem Erfolg.
Das romantische Mittelrheintal, von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben,
bleibt fest in den Händen von einigen leistungsfähigen Familienbetrieben, wovon
der neue Gault Millau WeinGuide 18 in der Traubenklasse vorstellt. Dazu
kommen immerhin noch acht »weitere empfehlenswerte Betriebe«.
Ob 2009 ein Jahrhundertjahrgang ist, wie allenthalben angekündigt, haben die
umfangreichen Verkostungen der Gault Millau-Redaktion letztlich auch an der
Mosel nicht entscheiden können. Fest steht allerdings: Das allgemeine Niveau
ist sehr hoch und viele Weine sind exzellent. Ob sie zu wahrer Größe heranreifen,
wird die Zukunft zeigen. »Unsere Prognose ist gut«, sagen Dr. Peter Henk
und Dr. Eckhard Kiefer sowie der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide,
Joel Payne.
Die Erträge waren zum Teil sehr niedrig. In den besten Fällen entstanden so
Weine mit großer Konzentration und mineralischer Rasse. Edelfäule trat außer
an der Terrassenmosel nur im untergeordneten Maße auf. So wundert es nicht,
dass aus den Winninger Gütern Heymann-Löwenstein und Knebel auch zwei der
besten Trockenbeerenauslesen des Jahres stammen.
Carl-Ferdinand von Schubert feiert de Rückkehr in die Vier-Trauben-Klasse. Das
Ruwer-Traditionsgut setzte sich auf der Bundesfinalprobe gleich mehrfach bestens
in Szene. So landete ein Riesling aus dem Maximin Grünhäuser Abtsberg
bei den Auslesen auf Rang zwei. Schubert und sein Betriebsleiter Stefan Kraml
stellten aber auch unter Beweis, dass sie die leichte Seite der Klassik beherrschen.
Ihr herrlich frischer, mineralisch-animierender Kabinett aus dem Herrenberg
ist Gewinner in dieser Kategorie.
Gerade im Auslese-Bereich bestach auch die Mittelmosel. Die brillanten Klassiker
aus dem Hause J. J. Prüm erzielten drei Platzierungen in unserer Bestenliste.
Doch der Wein des Jahres kommt aus Graach: Willi Schäfers grandiose Versteigerungsauslese
aus dem Domprobst war nicht zu schlagen.
Im gebietsinternen Wettstreit hat in diesem Jahr die Saar die Nase leicht vorn.
So überzeugte das Weingut von Hövel mit seinen schlanken, klassischen Kabinette,
während bei Müller und Zilliken die Spät- und Auslesen hervorstachen.
Gewohnt stark waren im feinherben Bereich die Weine von Lauer, van Volxem
und Weinhof Herrenberg. Von Othegraven stellte eine geschlossene Kollektion
mit eindrucksvollen Gewächsen aus den alten Reben des Kanzemer Altenbergs
vor.
Das Niveau der trockenen Rieslinge ist erneut gestiegen, hat die Gault Millau
Redaktion in zahllosen Verkostungen ermittelt. Der Jahrgang 2009 scheint ideal
gewesen zu sein, um Prototypen dieses Stils zu erzeugen. Dabei verdienen die
Gewächse von Markus Molitor und Grans-Fassian eine besondere Erwähnung.
Mit durchaus unterschiedlichen Stilen stehen sie 2009 für die Gebietsspitze im
trockenen Bereich. Auch Weiser-Künstlers »Große Eule« aus dem Enkircher
Zeppwingert fügt sich in ein in die immer länger werdende Reihe sehr guter trockener
Mosel-Rieslinge.
Die Autoren sind auch angetan von der Entwicklung an der Obermosel, an der
Grenze zu Luxemburg. Dort haben einige junge Winzer in den letzten Jahren
deutlich an Qualität zugelegt. Doch nicht mit Riesling, sondern mit Elbling und
Burgundersorten, die dort bevorzugt gedeihen. Matthias Hild aus Wincheringen
hat sich nunmehr die erste Traube verdient.
Kein anderes Anbaugebiet verfügt über eine solche Phalanx an Spitzen-
Weingütern wie die Mosel. Fritz Haag, Egon Müller und Joh. Jos. Prüm bilden das
Triumvirat der weltbesten Weinerzeuger an der Gebietsspitze. Ihm folgt ein Dutzend
Weingüter mit vier Trauben, wobei Schubert einziger Aufsteiger in diesen
erlauchten Kreis ist.
In keiner anderen Region ist das Mittelfeld im Traubenbereich so stark wie an
Mosel, Saar und Ruwer. 31 Erzeuger mit drei Trauben, sogar 42 Güter mit zwei
Trauben sind der Beleg für die hohe Qualitätsdichte in diesem Anbaugebiet. Carl
Loewen und Martin Müllen freuen sich über drei Trauben, Blees-Ferber und Später-
Veit sind neu in der Zwei-Trauben-Klasse. Gleich acht Erzeuger haben den
Aufstieg in die Traubenklasse geschafft, vier mussten aber auch absteigen.
Insgesamt 124 Betriebe und ihre Weine haben die Autoren an Mosel, Saar und
Ruwer ausführlich besprochen, soviel wie in keiner anderen deutschen Weinregion.
Dazu kommen 62 als empfehlenswert eingestufte Güter.
Die ehemalige Staatliche Weinbaudomäne Niederhausen-Schlossböckelheim
war jahrzehntelang der Leuchtturm im Nahe-Weinbau. Doch bereits Ende der
1980er Jahre kam eine Phase der Stagnation. Jetzt will ein potenter Investor es
wissen: neuer Name, neues Erscheinungsbild, neuer Weinmacher, neuer Stil –
und das alles in Verbindung mit einigen der großartigsten Weinberge der Nahe.
»Wir probierten herrlich kraftvolle Rieslinge mit Würze und Spannung«, lautet
das Fazit von Carsten Henn und Joel Payne, Chefredakteur des Gault Millau
WeinGuide. Und sie vergaben auf Anhieb drei Trauben.
Aber auch in der Stille haben sich weitere Aufsteiger prächtig entwickelt. Immer
besser wurden in den letzten Jahren die Weine der Hahnmühle im abgelegenen
Alsenztal, vor allem die trockenen und edelsüßen Rieslinge. »Die heimlichen
Es tut sich viel an der Nahe, der lange Jahre der Ruf anhaftete, nicht ganz so
dynamisch zu sein wie größere Anbaugebiete, zum Beispiel Rheinhessen oder
die Mosel. Etliche Neuaufnahmen im Bereich der »Weiteren empfehlenswerten
Betriebe« könnten bereits im nächsten Jahr den Sprung in die Traubenriege
schaffen. Markus Hees hat bei Harald Hexamer gelernt, Christian Honrath absolvierte
ein Praktikum bei Emrich-Schönleber und Christian Bamberger war an der
University of California in Davis. Das Weingut Closheim in Langenlonsheim
schaffte es bereits in diesem Jahr in die Traubenriege. Vor allem die sehr modern
und auf den Punkt vinifizierten Weine von Tochter Anette konnten die
strengen Verkoster begeistern. Mit rassigen Rieslingen und mineralisch-straffen
Burgundern schaffte das Weingut der Gebrüder Kauer aus Windesheim den
Sprung in die Zwei-Trauben-Kategorie.
Insgesamt zehn Weine konnten Nahegüter in diesem Jahr in den bundesdeutschen
Spitzenreiter-Listen platzieren. Aber es sind nur vier Weingüter, aus denen
diese Ausnahme-Gewächse kommen. Erneut mit einem grandiosen Sekt auf
Champagner-Niveau (Cuvée Mo) trumpfte das Schlossgut Diel auf. Im gelang mit
einer Goldkapsel aus dem Dorsheimer Goldloch auch der Sprung unter die besten
Riesling Auslesen des Jahrgangs 2009. Die meisten Nennungen erzielte erneut
das Weingut Schäfer-Fröhlich aus Bockenau, das vier seiner Weine in den
Listen der Besten platzieren konnte.
Großartig die Leistung von Emrich-Schönleber: Neben einer Trockenbeerenauslese
bei den Edelsüßen räumte das Monzinger Weltklasse-Gut auch bei den trockenen
Rieslingen ab: Platz zwei für den Monzinger Halenberg (95 Punkte), geschlagen
nur von einem Ausnahmewein aus Rheinhessen. Nur knapp unterlag
auch Helmut Dönnhoff in der Kategorie der besten edelsüßen Rieslinge. Seine
phantastische Trockenbeerenauslese aus der Niederhäuser Hermannshöhle
erzielte sensationelle 99 Punkte und musste sich nur einem 100-Punkte-Wein
aus dem Rheingau geschlagen geben.
Insgesamt 39 Betriebe haben die Autoren ausführlich beschrieben und deren
Weine bewertet, 26 weitere werden empfohlen.
Schon seit einiger Zeit reiht Philipp Kuhn einen großartigen Jahrgang an den
nächsten. Grund genug für die Redaktion des Gault Millau WeinGuide, den Laumersheimer
Ausnahme-Winzer zum »Aufsteiger des Jahres« auszurufen. »Seit er
mit gerade einmal 20 Jahren das Familienweingut 1992 übernahm, hat er sich
mit großer Energie in die pfälzische Spitze emporgearbeitet. Feinmineralischer
Riesling und samtiger Spätburgunder begeistern«, lautet das Urteil von Jürgen
Mathäß, Matthias Mangold und dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide,
Joel Payne.
Vor zwei Jahren hatte bereits ein weiterer Laumersheimer einen hohen Ehrentitel
eingefahren: Das Weingut Knipser war »Winzer des Jahres«. Jetzt gelang den
Brüdern Volker und Werner Knipser ein weiterer Coup: Sie steigen auf in den
Olymp der Fünf-Trauben-Betriebe. Gerade mal zehn Güter, die absolute deutsche
Spitze, befinden sich dort. Ihre Weine bewegen sich durchweg auf Weltklasse-Niveau.
Das trifft auch auf die Knipsers zu, die gleichermaßen überragende
trockene Rot- und Weißweine erzeugen: eine große Rarität.
2008 war bereits ein exzellentes Rieslingjahr mit frischen, mineralischen, säurebetonten
Weinen. 2009 fielen die Rieslinge wieder etwas kraftvoller aus, blieben
aber dennoch strukturiert und oft mineralisch. Beide Jahrgänge dürften sehr
gut in der Flasche reifen. Doch 2009 bescherte der Pfalz doppeltes Vergnügen:
Der trocken-warme Herbst brachte den Pfälzer Winzern auch weitestgehend
gesunde, reife Burgundertrauben. Weltklasse-Burgunder mit Dichte und mineralischer
Kraft wie die Weine von Rebholz, Knipser, Wehrheim oder der fast stilbildend
mineralische Chardonnay von Becker weisen deutlich in Richtung mehr
Mut zu Kontur und Komplexität. Die Roten dürften im kommenden Jahr für hohe
Bewertungen sorgen.
Auf einen Umbruch deuten Veränderungen in diesem Jahr hin. Einige angesehene
Traditionsbetriebe können offenbar mit der furiosen Entwicklung der Region
nicht im gewünschten Maß mithalten. Bedauernswerte Abwertungen wie bei
Müller-Catoir, Münzberg oder Schaefer sind Beispiele dafür. Andererseits gibt
es gerade bei jüngeren Betrieben, die teilweise erst vor wenigen Jahren auffällig
wurden, beachtliche Karrieren.
In der Betriebs-Hierarchie sind entsprechende Bewegungen zu verzeichnen.
Gleich vier Betriebe können sich auf die dritte Traube freuen: Acham-Magin,
Ludi Neiss, Karl Pfaffmann und Rings, der einen regelrechten Sturmlauf hinlegt.
Neu in der Zwei-Trauben-Klasse sind Ackermann, Gerhard Klein und Zelt. Allerdings
verzeichnet die Redaktion auch neun Abstiege von drei auf zwei Trauben
bzw. von zwei Trauben auf eine Traube. Vier neue Betriebe wurden in die Traubenklasse
aufgenommen: der Jesuitenhof, Lergenmüller, Klaus Meyer und Pfirmann.
Insgesamt zählen die Autoren 88 Erzeuger zu den Traubenbetrieben. Außerdem
werden 42 weitere Betriebe empfohlen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Johannes Leitz sein großes Können gezeigt hat.
Doch seine Leistungen in letzter Zeit waren so überragend, dass die Redaktion
des Gault Millau den Rüdesheimer zum »Winzer des Jahres« gekürt hat. »Anfangs
war sein Name nicht einmal in Rüdesheim bekannt. Inzwischen gelten die
Weine dieses Gutes als Inbegriff großartiger Rheingau-Rieslinge – nicht nur in
der Heimat, sondern auch in London oder New York«, loben Giuseppe Lauria und
der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
Selten haben die strengen Prüfer in der Spitze im Rheingau so eine Phalanx an
starken trockenen, feinherben, frucht- und edelsüßen Weinen verkostet. Die
2009er Rieslinge sind spannungsgeladene Weine mit Strahlkraft, klarer Frucht,
enormer Dichte und reifer Säure. Die Extraktwerte kamen mancherorts sogar an
2003 heran, nur eben gepaart mit lebendiger, finessenreicher Säure, die den
Weinen Frische und Länge verleiht. Durch die Bank spricht die deshalb die Redaktion
von sehr guten bis ausgezeichneten 2009er Qualitäten.
An der Spitze der Region festigt das Weingut Weil mit einer beachtlichen Kollektion
seine Führung. Bei den edelsüßen Rieslingen kann keiner dem Kiedricher
Traditionsgut das Wasser reichen: deutschlandweit. Wie im Jahrgang 2003
knackte Weil erneut mit einem absoluten Ausnahmewein die 100-Punkte-Marke.
Die atemberaubende Trockenbeerenauslese aus dem Kiedricher Gräfenberg ließ
die gesamte Konkurrenz bei der Bundesfinalprobe hinter sich. Dazu kamen zwei
weitere Weil-Edelsüße unter die ersten sechs. Doch damit nicht genug. Auch die
beste Riesling Spätlese des Jahres kommt aus dem Kiedricher Mustergut.
Eine ähnliche Performance legte nur noch das Weingut Leitz hin. Der »Winzer
des Jahres« war so dominant, dass er in der Kategorie der feinherben Rieslinge
gleich einen Doppelschlag landete: Zwei Weine aus dem Rüdesheimer Berg Kaisersteinfels
belegen die Ränge eins und zwei. Auch bei den trockenen Rieslingen
trumpfte Leitz mit einem beeindruckenden Pärchen auf. Der Berg Rottland
und der Berg Schlossberg erreichen die Plätze vier und fünf in einem Wettbewerb
mit enormer Qualitätsdichte.
Gunter Künstler schafft nach zwei grandiosen Jahrgängen den Sprung in die
Klasse der Betriebe mit vier Trauben. Der Hochheimer überzeugt vor allem mit
seinen überragenden trockenen Rieslingen. Der Rüdesheimer Berg Schlossberg
vom Weingut Georg Breuer landete unter den besten trockenen Rieslingen
Deutschlands. Schloss Johannisberg präsentierte die vermutlich beste Kollektion
seit Jahrzehnten. Schloss Schönborn punktete mit einer homogenen Kollektion,
die famose Trockenbeerenauslese aus dem Marcobrunn gehört zur deutschen
Spitze.
Das Bischöfliche Weingut in Rüdesheim schaffte den Sprung in die Zwei-
Trauben-Klasse. Vier Weingütern gelang aus dem Stand der Sprung in die Traubenwelt:
dem Traditionsgut Schumann-Nägler, Ehrhard aus Rüdesheim, Goldatzel
in Johannisberg und der Newcomerin Eva Fricke.
Im neuen Gault Millau WeinGuide werden insgesamt 71 Güter und ihre Weine
ausführlich vorgestellt. Zehn weitere empfehlenswerte Betriebe runden das
Angebot aus dieser Region ab.
Die Natur bot den rheinhessischen Winzern in 2009 alle Möglichkeiten, fantastische
Weine zu erzeugen. Allerdings waren Spitzenweine trotz der idealen Bedingungen
längst keine Selbstverständlichkeit. Denn wie in den Vorjahren hatten
nur die Weine den letzten Kick, deren Trauben von der spannenden Phase
des Herbstes ab Mitte Oktober profitierten. Wer 2009 zu sorglos und unbekümmert
bei bester Witterung und sommerlichen Temperaturen erntete, fuhr zwar
ganz gute Weine ein; mehr aber auch nicht. Das ist das Fazit von Manfred Lüer
und dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, nach umfangreichen
Verkostungen.
Die besten Weine hat wieder einmal Klaus Peter Keller aus Flörsheim-Dalsheim
erzeugt. Er ist der einzige Winzer Rheinhessens, der auf der Bundesfinalprobe
Weine platzieren konnte. An der Spitze steht das phänomenale Große Gewächs
aus der Westhofener Abtserde, das mit 96 Punkten souverän zum besten trockenen
Riesling Deutschlands aus dem Jahrgang 2009 gekürt wurde. Kellers GMax
steht diesem Wein aber nur wenig nach und belegte am Ende den dritten
Rang. Auch unter den besten Auslesen und Edelsüßen des Landes ist Keller
mehrfach vertreten.
Mit diesem fulminanten Auftritt konnte beim Finale nur ein Betrieb aus Rheinhessen
mithalten: das Sekthaus Raumland, auch in Flörsheim-Dalsheim zuhause.
Sage und schreibe vier Sekte von diesem Ausnahme-Betrieb schafften den
Sprung in die Top Ten der besten Winzersekte des Landes. Platz eins, zwei, fünf
und sieben gingen an Raumland. An der Spitze steht der 1997er Pinot Brut aus
dem Dalsheimer Bürgel, dicht gefolgt vom Chardonnay Brut Prestige aus 2004,
beides Sekte, die es mit Spitzen-Champagner aufnehmen können. Nach dieser
grandiosen Vorstellung verlieh die Redaktion Raumland die dritte Traube.
Alleine ganz vorne in der Region steht Keller unverändert mit fünf Trauben. Philipp
Wittmann in Westhofen hat sich an die Spitze der Vier-Trauben-Betriebe
gesetzt. In diese Gruppe gehört auch Wagner-Stempel in Siefersheim. Sie hat
nun Verstärkung bekommen, nachdem das Weingut Kühling-Gillot in Bodenheim
aufgestiegen ist. H.O. Spanier und Carolin Gillot haben ihren bis dato besten
Jahrgang von der Rheinfront eingefahren.
Groß ist erneut die Zahl der Aufsteiger in diesem Jahr. So konnten sich neben
dem Sekthaus Raumland auch Hofmann, Peth-Wetz, Thörle und Arndt F. Werner
auf drei Trauben verbessern, Becker Landgraf, Bettenheimer, Bischel, Gysler,
Karl May und Schätzel sich jeweils über die zweite Traube freuen. Nach wie vor
sprießen zahlreiche talentierte Jungwinzer wie Pilze aus dem Boden. So wurde
wieder ein stattliche Zahl an ersten Trauben vergeben.
Insgesamt 89 Trauben-Betriebe werden ausführlich beschrieben. 57 weitere
sind als »empfehlenswert« eingestuft, darunter einige Neulinge.
Die Winzer an Saale und Unstrut waren etwas verwöhnt von den Erntemengen
und Wetterbedingungen der letzten Jahre. Doch Anfang 2009 richteten strenge
Fröste ernsthafte Schäden in den Weinbergen an. Zudem verrieselte zum Teil die
Blüte, was die Menge nochmals reduzierte. Trotz allem konnte durch einen
warmen Sommer und eher trockenen Herbst eine qualitativ gute Ernte eingebracht
werden. Der Jahrgang präsentiert sich mit sehr guter Fruchtkonzentration
und reifen Säuren, hat Matthias Dathan zusammen mit dem Chefredakteur des
Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, festgestellt.
Bernard Pawis bleibt Platzhirsch in der Region. Er zeigte die mit Abstand beste
Kollektion und kam mit dem schwierigen Jahrgang am besten zurecht. Bei André
Gussek mussten die Weine des Jahrgangs 2009 fast zugeteilt werden, da die
Toplage Kaatschener Dachsberg fast keinen Ertrag brachte. Auf ansteigendem
Niveau befindet sich auch Uwe Lützkendorf.
Gleich drei neue Betriebe begrüßt die Redaktion in der Ein-Trauben-Riege. Das
Gleinaer Weingut Böhme hat den Sprung dorthin ebenso geschafft wie das
Weingut Hey in Naumburg. Zurück in dieser Klasse ist auch das Thüringer Weingut
Bad Sulza. Bei den empfehlenswerten Betrieben zeigen die Winzervereinigung
Freyburg und das Landesweingut Kloster Pforta weiter ansteigende Form.
Insgesamt acht Erzeuger wurden mit Trauben ausgezeichnet. Weitere sechs
Betriebe halten die Autoren für empfehlenswert.
An das Jahr 2009 werden sich die Winzer in Sachsen wahrscheinlich noch lange
erinnern. Die Januarfröste reduzierten die Erträge um fast 40 Prozent. Bis zum
April war es hier sehr kalt, ein Frühling fand praktisch nicht statt. Schlechtes
Wetter während der Rebblüte führte zu weiteren Ertragseinbußen. Ein guter
brachte dann doch Weine hervor, die gerade im einfachen Qualitätsbereich
durch viel Extrakt, Rasse, Würze und reife Säure geprägt waren. Im Vergleich zu
2008 fällt die bessere Balance aus Säure und Fruchtigkeit der Weine auf. Das
haben Matthias Dathan und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel
Payne, in zahlreichen Verkostungen ermittelt.
Schloss Proschwitz und Klaus Zimmerling führen das Gebiet mit drei Trauben
an, sind in ihrer Philosophie allerdings weiterhin so verschieden wie nur möglich.
Ihnen folgt das Weingut Schloss Wackerbarth allerdings mittlerweile dicht
auf den Fersen. Sehr klare, mineralisch betonte Weine prägen dort den Jahrgang.
Merklich klein ist die Ernte bei Winzer Martin Schwarz ausgefallen, der in
seiner Toplage Meißner Kapitelberg fast keinen Ertrag hatte.
Auch Winzer wie Friedrich Aust und Vincenz Richter konnten ihre Qualitäten
leicht verbessern. Mit einer bravourösen Leistung stieg Frédéric Fourré in die
Trauben-Kategorie auf. Die Besonderheit dieser Region bleibt die kleine Schar
an qualitätsorientierten Weingütern, die ihre Weine erfolgreich auch überregional
vermarkten können. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Klein- und
Kleinstbetrieben, die ihre Weine oft auch im hauseigenen Gutsausschank an die
Kundschaft bringen.
Es sind ingesamt acht Güter, die in Sachsen mit einer oder mehr Trauben ausgezeichnet
wurden. Dazu kommen noch vier empfehlenswerte Betriebe.
Einer der wichtigsten Titel, den der Gault Millau WeinGuide zu vergeben hat,
geht in diesem Jahr nach Württemberg. Das Weingut Gerhard Aldinger in Fellbach
hat den strengen Verkostern des Gault Millau die »Kollektion des Jahres«
aufgetischt. Die Redaktion lobt: »Seit Jahren steht er an der Spitze im Ländle.
Nun krönt Gert Aldinger mit Unterstützung seiner Söhne Hansjörg und Matthias
sein Lebenswerk mit den besten Weinen seiner Karriere – darunter ein Lemberger,
der in neue Dimensionen strebt«.
Dabei scheint Aldingers überwältigendes 2008er Großes Gewächs aus dem
Fellbacher Lämmler symptomatisch für eine neue Entwicklung zu sein, haben
Frank Kämmer und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne,
herausgefunden. Während vor Jahren noch die Rotwein-Cuvées die Schlagzeilen
bestimmten und dann die Spätburgunder in neuem Glanz erstrahlten scheint
sich nun diese Entwicklung auch auf den eigentlichen Rotweinklassiker Württembergs,
den Lemberger, auszudehnen, loben die strengen Verkoster.
Sie haben zudem einen weiteres Juwel im Ländle entdeckt, das sich zum Kult-
Rotwein entwickeln könnte. Nach sage und schreibe sieben Jahren Reife im Fass
hat Albrecht Schwegler aus Korb seinen »Solitär« vorgestellt, eine faszinierende
2003er Assemblage aus Cabernet Franc, Merlot und Zweigelt »von umwerfender
Komplexität und immer noch feinrassiger Frische«, wie die Redaktion schreibt.
Nach wie vor ein ausgesprochenes Ärgernis in Württemberg sind die zum Teil
viel zu hohen Alkoholgehalte, finden Kämmer und Payne. Bei den Lembergern,
Zweigelt und Spätburgundern sind 14 Alkoholprozent längst nicht mehr die
Ausnahme, sondern oft fast schon die Regel. Ja sogar Rieslinge, Kerner und
Sauvignon Blanc werden nun als solche Superschwergewichte in den Ring geschickt.
»Ohne Frage sind viele dieser wuchtigen Gewächse tatsächlich überaus
beeindruckend, jedoch kommen uns ernsthafte Zweifel, wer diese alkoholstarken
Weinen tatsächlich trinken soll«, fragen sich Kämmer und Payne.
Konstanz herrscht in der Hitliste der besten Württemberger Winzer. Die beiden
Stars aus Fellbach, Aldinger und Schnaitmann, bleiben unerreicht, gefolgt von
dem sehr guten Trio Haidle, Ellwanger und Dautel. Von den jungen Winzertalenten
schaffte dieses Jahr Alexander Heinrich aus Sülzbach im Weinsberger Tal
den Aufstieg in die Klasse der Ein-Trauben-Betriebe. Bei den Genossenschaften,
die hier rund drei Viertel der Ernte verarbeiten, bestätigt die Weinmanufaktur
Untertürkheim souverän ihre Stellung als beste Kooperative Deutschlands,.
Die Autoren stellen die 38 besten Betriebe des Anbaugebietes ausführlich mitsamt
ihren Weinen vor und geben 26 weitere Empfehlungen, die oft zu interessanten
und auch preiswerten Weinen führen.
Der Text ist zum Abdruck freigegeben.
www.gaultmillau.de und unter www.christian-verlag.de
GAULT MILLAU WeinGuide Deutschland 2011
18. Jahrgang, 914 Seiten, 29.95 €
ISBN 978-3-86244-003-0, Christian Verlag GmbH, München