Die ERSTE LAGEN
Weine sind die höchste Weinklasse im VDP - dem Verband deutscher Prädikatsweingüter, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.
Die Weine stammen aus den besten Weinbergen Deutschlands. Einzigartige Terroirs, parzellengenau abgegrenzt, Weine mit Charakter und Persönlichkeit. Klassische Rebsorten, minimaler Ertrag, selektive Handlese, Zeit zur Reife. Sie sind vergleichbar mit den Grand Crus aus Burgund.
Offiziell dürfen die Großen Gewächse erst ab dem 01. Sept. des auf die Ernte folgenden Jahres in den Verkauf kommen. Der VDP feiert die Premiere seit einigen Jahren Anfang September in Berlin und ganz traditionell im historischen Kloster Eberbach, Domäne der hessischen Staatsweingüter in den Weinbergen hoch über Eltville gelegen.
Am 26.9. 2010 präsentierte die deutsche Winzerelite im beeindruckenden Ambiente
des Laiendormitoriums von Kloster Eberbach ihre weißen Spitzengewächse aus dem hochgelobten Jahrgangs 2009 sowie die Rotweine erster Lagen aus 2008.
Über 370 Weine von 139 VDP Gütern standen für das erwartungsvolle Fachpublikum zur Verkostung bereit.
Im Vergleich zum Vorgängerjahrgang 2008 zeigten sich die weissen 2009er durchwegs cremiger, fülliger, mit viel Schmelz und zum Teil deutlicher Restsüsse.
Insgesamt ist die Qualität schmeckbar gestiegen und wird den hohen Erwartungen an den Jahrgang durchaus gerecht. Die Anzahl der „unwürdigen „ Weine die dem Anspruch an einen Grand Cru nicht gerecht werden, ist vernachlässigbar.
Generell geht der Trend zu körperreichen und fülligen Weinen, speziell beim Riesling
oft zu Lasten der von uns so geschätzten spielerischen Leichtigkeit dieser Rebsorte.
Viele Rieslinge wirken dadurch weniger filigran und finessenreich und verlieren ihren unverwechselbaren Charakter, machen sie aber anscheinend für die internationalen Verkostungswettbewerbe attraktiver.
Innerhalb von vier Stunden 370 Weine zu verkosten, ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Unser kleiner Streifzug durch die Regionen gibt deshalb nur unsere persönlichen Präferenzen und ersten Eindrücke wider. Weitere detaillierte Einzelverkostungen folgen in den nächsten Wochen.
Baden
Die Renomiergüter Badens wie Dr. Heger, Huber und Salway setzen mit ihren Weissweinen und Spätburgundern erneut Massstäbe.
Besonders gut gefallen haben uns der Riesling und der Grauburgunder aus der Lage Plauelrain von Andreas Laible und der Riesling Eichberg von Salway.
Die Späburgunder von Bernhard Huber präsentieren sich auf erwartungemäss hohem Niveau , jedoch nicht spektakulär.
Nahe
Emrich-Schönleber und Dönnhoff stehen mit ihren 2009er Rieslingen wieder unangefochten an der Spitze der kleinen aber feinen Anbauregion., gefolgt vom Schlossgut Diehl.
Die Kollektion von Schäfer- Fröhlich ist sehr ansprechend, jedoch nicht herausragend.
Rheingau und Mittelrhein
Die ersten Gewächse des Rheingaus sind allesamt auf sehr hohem Niveau und zeigen am Deutlichsten den Trend zu mehr Volumen und Fülle.
Am Besten gefiel uns der Riesling aus dem Kirchenstück von Gunter Künstler vom Hochheimer Weingut Künstler der sich trotz Cremigkeit und Fülle elegant, komplex und finessenreich präsentiert. Gefolgt vom Steinmorgen Riesling vom Erbacher Weingut Jakob Jung mit seiner duftigen und animierenden Nase.
Pfalz
Sehr hohe Qualitäten in der ganzen Breite. Alle Winzer zeigen wirklich vielversprechende Kollektionen. Herausragend, weil mit eigenständigem Charakter sind die Weine vom Deidesheimer Weingut von Winning mit ihrem feinen und subtilen Holzeinsatz. Kräftig und komplex präsentieren sich die Rieslinge von Philip Kuhn mit dem Riesling Burgweg an der Spitze.
Eine Entdeckung war für uns der Riesling Forster Pechstein von Acham-Magin mit seinen animierend frischen Fruchtnoten und einer eben nicht dominierenden sondern harmonisch zu den mineralischen Noten ausbalancierten Restsüsse.
Bei den weissen Burgundern ist der Mandelberg von Dr. Wehrheim nach wie vor das Mass.
Rheinhessen
Großartig wie erwartet die Großen Gewächse der beiden Vorzeigegüter Keller und Wittmann.
Ausdrucksstark und spannend auch Kuehling – Gillot mit dem Pettenthal Riesling und Battenfeld- Spanier mit dem Frauenberg Riesling.
Württemberg
Sehr positiv überrascht haben uns die Württemberger Winzer nicht nur mit den Lembergern, sondern besonders die gezeigten Rieslinge strafen alle Vorurteile Lügen, Württemberger Rieslinge seien eher etwas plump und behäbig. Wie immer gelungen und bereits sehr gut strukturiert mit feinem duftigem Fruchtspiel, der Herzogenberg vom Untertürkheimer Hans-Joachim Wöhrwag.
Auf Platz 1 für uns der Stettener Pulvermächer Riesling, den uns Moritz Haidle, der Junior vom Weingut Karl Haidle vorstellte. Der elegante, frisch-fruchtige und höchst filigrane Riesling beweist die hervorragende Terroir-Qualität dieser berühmten Riesling-Lage aus dem Remstal. Aussergewöhnlich gut auch der Sonnenberg Riesling vom Bönnigheimer Ernst Dautel. Beide Rieslinge sind unserer Ansicht nach, durchaus auf Augenhöhe mit den Spitzengewächsen der Rieslinghochburgen Nahe und Rheingau. Gelungen auch die beiden Rieslinge von Rainer Schnaitmann, Lämmler und Götzenberg.
Die württembergischen Roten , vorneweg natürlich die Parade-Rebe Lemberger beeindrucken mit Kraft und Charakter. Hier belegt aktuell der Mönchberg von Karl Haidle mit seinen herrlichen Kräuternoten die Spitzenposition, gefolgt vom Ruthe Lemberger von Graf Neipperg. Bei den Spätburgundern am ausdrucksstärksten der Gips von Gerhard Aldinger.
Ahr
Die völlig eigenständige Postitonierung von Jean Stodden zeigt sich durch den reizvollen Vergleich seines Spätburgunders Rosenthal zum weichen, fruchtbetonten Spätburgunder vom Weingut J.J. Adeneuer aus der gleichen Lage, der bereits perfekten Trinkgenuß bietet. Größer kann der Kontrast kaum sein.
Schon weiter mit schön entwickelter Frucht die Weine von Meyer-Näkel, allen voran der komplexe Pfarrwingert.
Franken
Die Stars der Region sind jedoch die Spätburgunder von Rudolf Fürst, der mit der besten Rotwein-Kollektion der Veranstaltung aufwartete. Perfekt die 16 – 18 Monate im Barrique gereiften Spätburgunder Centgrafenberg und Hunsrück mit harmonisch, runder Struktur, Dichte und komplexem Körper mit großem Entwicklungspotential.
Photo und Text: Angelika Heger und Co.