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  • Premiere Grosses Gewächs 2009 im Kloster Eberbach am 26.Sept. 2010


    28.09.2010

    Die  ERSTE LAGEN         Weine sind die höchste Weinklasse im VDP - dem Verband deutscher Prädikatsweingüter, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert.

     

     

    Die Weine stammen aus den besten Weinbergen Deutschlands. Einzigartige Terroirs, parzellengenau abgegrenzt, Weine mit Charakter und Persönlichkeit. Klassische Rebsorten, minimaler Ertrag, selektive Handlese, Zeit zur Reife. Sie sind vergleichbar mit den Grand Crus aus Burgund.

    Die trockenen Weine werden mit Grosses Gewächs bezeichnet. Da dieser Begriff aus weinrechtlichen Gründen nicht auf dem Etikett stehen darf, werden die Grossen Gewächse mit der eingetragenen Marke “”GG” auf dem Etikett gekennzeichnet, in die Flaschen wurde das Logo integriert.

     

    Offiziell dürfen die Großen Gewächse erst ab dem 01. Sept. des auf die Ernte folgenden Jahres in den Verkauf kommen. Der VDP feiert die Premiere seit einigen Jahren Anfang September in Berlin und ganz traditionell im historischen Kloster Eberbach, Domäne der hessischen Staatsweingüter in den Weinbergen hoch über Eltville gelegen.

     

    Am 26.9. 2010 präsentierte die deutsche Winzerelite im beeindruckenden Ambiente

    des Laiendormitoriums von Kloster Eberbach ihre weißen Spitzengewächse aus dem  hochgelobten Jahrgangs 2009 sowie die Rotweine erster Lagen aus 2008.

    Über 370 Weine von 139 VDP Gütern standen für das  erwartungsvolle Fachpublikum zur Verkostung bereit.

     

    Im Vergleich zum Vorgängerjahrgang 2008 zeigten sich die weissen 2009er  durchwegs  cremiger, fülliger, mit viel Schmelz und zum Teil deutlicher Restsüsse.

    Insgesamt ist die Qualität schmeckbar gestiegen und wird den hohen Erwartungen an den Jahrgang durchaus gerecht. Die Anzahl der „unwürdigen „ Weine die dem Anspruch an einen Grand Cru nicht gerecht werden,  ist vernachlässigbar.

    Generell geht der Trend zu körperreichen und fülligen Weinen,  speziell beim Riesling

    oft zu Lasten der von uns so geschätzten spielerischen Leichtigkeit dieser Rebsorte.

    Viele Rieslinge wirken dadurch weniger filigran und finessenreich und verlieren ihren unverwechselbaren Charakter, machen sie aber anscheinend für die internationalen Verkostungswettbewerbe attraktiver.

    Innerhalb von vier Stunden 370 Weine zu verkosten, ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Unser kleiner Streifzug durch die Regionen gibt deshalb nur unsere persönlichen Präferenzen und ersten Eindrücke wider. Weitere detaillierte Einzelverkostungen folgen in den nächsten Wochen.

     

    Baden

     

    Die Renomiergüter Badens wie Dr. Heger, Huber und Salway setzen mit ihren Weissweinen und Spätburgundern erneut Massstäbe.

    Besonders gut gefallen haben uns der Riesling und der  Grauburgunder aus  der Lage Plauelrain von Andreas Laible und der Riesling Eichberg von Salway.

    Die Späburgunder von Bernhard Huber präsentieren sich auf erwartungemäss hohem Niveau , jedoch nicht spektakulär.

     

    Nahe

     

    Emrich-Schönleber und Dönnhoff stehen  mit ihren 2009er Rieslingen wieder unangefochten an der Spitze der kleinen aber feinen Anbauregion., gefolgt vom Schlossgut Diehl.

    Die Kollektion von Schäfer- Fröhlich ist sehr ansprechend, jedoch nicht herausragend.

     

    Rheingau und Mittelrhein

     

    Die ersten Gewächse des Rheingaus sind allesamt auf sehr hohem Niveau und zeigen am Deutlichsten den Trend zu mehr Volumen und Fülle.

    Am Besten gefiel uns der Riesling aus dem Kirchenstück von Gunter Künstler vom Hochheimer Weingut Künstler der sich trotz Cremigkeit und Fülle elegant, komplex und finessenreich präsentiert. Gefolgt vom Steinmorgen Riesling vom Erbacher Weingut Jakob Jung mit seiner duftigen und animierenden Nase.

     

    Pfalz

     

    Sehr hohe Qualitäten in der ganzen Breite. Alle Winzer zeigen wirklich vielversprechende  Kollektionen. Herausragend, weil mit eigenständigem Charakter sind die Weine vom Deidesheimer Weingut von Winning mit ihrem feinen und subtilen Holzeinsatz. Kräftig und komplex  präsentieren sich die Rieslinge von Philip Kuhn mit dem Riesling Burgweg an der Spitze.

    Eine Entdeckung war für uns der Riesling Forster Pechstein von Acham-Magin mit seinen animierend frischen Fruchtnoten und einer eben nicht dominierenden sondern harmonisch zu den mineralischen Noten ausbalancierten Restsüsse.  

    Bei den weissen Burgundern ist der Mandelberg von Dr. Wehrheim nach wie vor das Mass.

     

    Rheinhessen

     

    Großartig wie erwartet die Großen Gewächse der beiden Vorzeigegüter Keller und Wittmann.

    Ausdrucksstark und spannend auch Kuehling – Gillot mit dem Pettenthal Riesling  und Battenfeld- Spanier mit dem Frauenberg Riesling.

     

    Württemberg

     

    Sehr positiv überrascht  haben uns die Württemberger Winzer nicht nur mit den Lembergern, sondern besonders die  gezeigten Rieslinge strafen alle Vorurteile Lügen, Württemberger Rieslinge seien eher etwas plump und behäbig. Wie immer gelungen und bereits sehr gut strukturiert mit feinem duftigem Fruchtspiel,  der Herzogenberg vom Untertürkheimer Hans-Joachim Wöhrwag.

    Auf Platz 1 für uns der Stettener  Pulvermächer Riesling, den uns  Moritz Haidle, der Junior vom Weingut  Karl Haidle vorstellte. Der  elegante, frisch-fruchtige und höchst filigrane Riesling beweist die hervorragende Terroir-Qualität dieser berühmten Riesling-Lage aus dem   Remstal.   Aussergewöhnlich gut auch der Sonnenberg Riesling vom Bönnigheimer  Ernst Dautel.  Beide Rieslinge sind unserer Ansicht nach, durchaus auf Augenhöhe mit den Spitzengewächsen der Rieslinghochburgen Nahe und Rheingau.  Gelungen auch die beiden Rieslinge von Rainer Schnaitmann, Lämmler und Götzenberg.

    Die württembergischen Roten ,  vorneweg natürlich die  Parade-Rebe Lemberger beeindrucken mit Kraft und Charakter.  Hier belegt aktuell der Mönchberg  von Karl Haidle mit seinen herrlichen Kräuternoten die Spitzenposition, gefolgt vom Ruthe Lemberger von Graf Neipperg. Bei den Spätburgundern am ausdrucksstärksten der Gips von Gerhard Aldinger.

     

    Mosel-Saar-Ruwer
    Ein toller Jahrgang auch an der Mosel und der Saar. Insgesamt vielleicht etwas zuviel Restsüsse. Erwartungsgemäß auf hohem Niveau erneut die gesamte Reihe von Van Volxem. Spannend auch Von Othegraven, wenngleich der Riesling Ockfener Bockstein schwierig zu beurteilen war, da er gerade frisch gefüllt fast noch Fassproben-Charakter hatte. Ganz hervorragend auch die Gelegenheit Terroir zu  schmecken: Bei den Rieslingen aus dem  Kanzemer Altenberg die beide Weingüter dabeihatten ist bei aller Unterschiedlichkeit der jeweiligen Winzerhandschrift ein  gemeinsames, unverwechselbares  Geschmacksprofil der Lage fast wie aus dem Lehrbuch zu erkennen.

      

    Ahr

    Die Rotweinhochburg Ahr zeigt mit den 2008er Spätburgundern  die erwartet hohe, jedoch keine außergewöhnliche Qualität. Viele der  verkosteten Spätburgunder präsentieren sich mit noch kräftigen Taninnen.  Bessonders die gewohnt  französisch anmutenden Weine vom Weingut Jean Stodden zeigen sich noch sehr verschlossen, sehr kantig, mit festem Tannin und   deutlicher Mineralität. Hier ist noch keine klare Prognose möglich.

    Die völlig eigenständige Postitonierung von Jean Stodden zeigt sich durch den reizvollen Vergleich seines Spätburgunders Rosenthal zum weichen, fruchtbetonten Spätburgunder vom Weingut J.J. Adeneuer aus der gleichen Lage, der bereits perfekten Trinkgenuß bietet. Größer kann der Kontrast kaum sein. 

    Schon weiter mit schön entwickelter Frucht die Weine von Meyer-Näkel, allen voran der komplexe Pfarrwingert.

     

    Franken

    Bei den Weissweinen sehr homogene Qualität, der  Sonnenstuhl Silvaner vom Weingut Störrlein aus Randersacker wieder gewohnt ausdrucksstark mit tiefgründiger Mineralik und druckvollem Gaumenfluss.

    Die Stars der Region sind jedoch die Spätburgunder von Rudolf Fürst, der mit der  besten  Rotwein-Kollektion der Veranstaltung aufwartete. Perfekt die 16 – 18 Monate im Barrique gereiften Spätburgunder Centgrafenberg und Hunsrück mit harmonisch,  runder Struktur, Dichte und komplexem Körper mit großem Entwicklungspotential.

     

    Saale-Unstrut und Sachsen
    Besonders gespannt waren wir auf den Silvaner Hohe Gräte von Lützkendorf, der sich mit dem Wiederaufbau dieses alten Weinbergs einen Lebenstraum erfüllt hat. Ganz anders als die frisch-duftigen Silvaner aus Franken bietet er sehr reife Fruchtaromen von Apfel, Birne und Quittenlikör. Kräftiger Körper, wenig Säure, müsste  sehr gut  zu herbstlichen Wild- und Geflügelpasteteten harmonieren.  

     

     

    Photo und Text: Angelika Heger und Co.

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