"La Revue de Vin de France" heißt die wichtigste französische Weinzeitschrift. Sie kürt die "Hommes du vin", die Weinmenschen des Jahres. 2010 heißt einer von ihnen Thomas Teibert.
Für Weinliebhaber ist diese Auszeichnung so wichtig, wie der Oscar für Schauspieler. Der 35-Jährige erhält den begehrten Titel „Entdeckung des Jahres“.
Vor über zehn Jahren, als er noch mitten in seinem Önologiestudium in Geisenheim steckte, lernten wir uns über einen gemeinsamen Freund kennen und haben schon damals sein leidenschaftliches Plädoyer für natürliche Weine mit Charakter, die „trinkig“ und authentisch - ohne Schminke aber mit großer Klasse daherkommen – bewundert und gratulieren herzlich.
Thomas Teibert (links) und Jean-Emmanuel Simond (Juror „La Revue du vin de France
Thomas Teibert kommt aus Ulm in Württemberg. Wir zitieren daher aus der heimischen Südwest-Presse vom 28. Jan. 2010, die seinen Erfolgsweg mit dem Titel „Der Homme du Vin aus Ulm“ wie folgt beschreibt:
„Aber hallo! Wenn das kein Ausrufezeichen ist. Der aus hiesigen Gefilden stammende Winzer Thomas Teibert ist kaum fünf Jahre als selbstständiger Winzer im Weinland Frankreich aktiv - im Roussillon, unweit von Perpignan -, da wird ihm schon eine unter Winzern hoch begehrte und in der Fachszene anerkannte Auszeichnung zuteil: Teibert ist ein "Homme du vin" 2010.
Jedes Jahr kürt die in Frankreich als Nummer 1 in ihrer Sparte geltende Fachzeitschrift "Revue de Vin de France" die Weinmenschen des Jahres.
Gekürt werden als "Homme du vin" unter anderem ein Winzer, ein Kellermeister, eine Kellerei, ein Weinhändler des Jahres. Besondere Aufmerksamkeit erzeugt stets die Winzer-Entdeckung des Jahres. Handelt es sich in den anderen Fällen in aller Regel um bereits etablierte Namen, so verheißt die Entdeckung einen bis dato unbekannten Namen, der damit in Frankreich aber eine wichtige Stufe auf dem Weg ins Wein-Establishment nimmt.
Als Thomas Teibert erfuhr, dass er mit seinem Weingut "Domaine de l’Horizon" und seinem Partner Joachim Christ in der Kategorie Entdeckung des Jahres gewonnen hat, knallten nicht nur im Roussillon die Korken. Mit der Zunge schnalzte auch Manfred Böhm. Der Ulmer Weinhändler ("Weinforum Böhm") ist mit Teibert befreundet und darf ohne Übertreibung für sich beanspruchen, zu den Entdeckern des jungen Weinmachers zu gehören.
Jedenfalls präsentierte Böhm Teibert und dessen Weine schon in Ulm, als dieser sich 2003 in Südtirol noch auf dem Gut Manincor seine erste Sporen verdiente. Seinen holzfassgereifter Sauvignon blanc namens Lieben Aich, sollte wenig später die "Welt am Sonntag" zum besten italienischen Weißwein küren und seinen Schöpfer Teibert rühmen: "Der Wein - verantwortet von dem begnadeten, kompromisslosen Weinmacher aus Ulm - ruht in sich, protzt nicht, lockt nicht, schreit nicht und erobert doch."
Die rasante Karriere geht weiter, als Teibert 2005 seinem inneren Antrieb folgt ("Ich bin Ulmer, lebe in Italien, fühle französisch"). Der Önologe geht nach Südfrankreich, wo er die Tochter des großen Gérard Gaubys kennen- und lieben lernt, heiratet und als Winzer erstmals sesshaft wird.
Teibert setzt vorbehaltlos auf regionaltypische alte Traubensorten des Roussillon-Languedoc; so hatte sein erster kleiner eigener Weinberg einen Bestand aus einer 80 Jahre alten Rebsorte der kleinen Muskattraube.
Der Wein, der daraus wird, weicht von herkömmlichen südfranzösischer Tropfen aber gänzlich ab. Nicht rustikale, schwere, fette Weine sind Teiberts Fach, er verfolgt auf den kalkhaltigen, schiefrigen, tonigen Böden die mineralische Linie filigraner Weine im ausgewogenen Verhältnis von Säure, Frische und Restzucker. Der "Homme du vin" aus Ulm beschreibt seinen Geschmack selber so: "Ich mag Frucht, nicht Vanille." Aber hallo!“
Die Domaine de l’Horizon liegt im kleinen Örtchen Calce, geographisch ganz im Süden, im französischen Teil der Côtes Catalanes, 15 km vom Stadtkern Perpignan entfernt am Fuße der Pyrenäen. Auf 110 m Höhe hat der Ort 320 ha Weinberge ausgewiesen. Die einmalige Bodenbeschaffenheit und klimatisch gute Bedingungen sind die Basis für diese finessenreichen Weine. Schwarz und Blauschiefer, Kreide, Kalk sowie Löss und Mergelböden ergeben eine seltene fast einmalige Bodenvielfalt. Grenache, Carignan, Macabeau und Muscat also alles regionaltypische Traubensorten werden auf uralten Rebanlagen geerntet. Durch die intensiv aufwendige biodynamische Arbeit im Weinberg kann trotz des hohen Alters der Reben ein gesundes Lesegut geerntet werden. Die Kellerarbeit und die Kellertechnik sind minimalistisch puristisch und ohne jeglichen technischen Schnick-Schnack. Keinerlei Fremdhefen oder technische Zusätze erreichen den Most. Die natürliche Spontanvergärung sorgt für authentische terroir-intensive Weine.
Thomas Teibert katapultierte sich auf Anhieb in den Weinolymp.
Stephan Reinhardt schreibt im WeinWisser:
„In Calce, dem Burgund des Südens und hinsichtlich seiner komplexen und finessenreichen Weine wohl aufregendsten Dorf des Roussillons (Gauby, Matassa, O. Pithon u.a.), gibt es ein neues Weingut, auf das man aufpassen sollte: Domaine de l’Horizon. Nach einem starken weißen 2006er-Premierenjahrgang, von dem es allerdings nur ein einziges Faß gab, sind nun die feinen 2007er auf dem Markt – in jeweils vernünftiger Menge und vorzüglicher Qualität.“
Domaine de l`Horizon Blanc 2007, Vin de Pays des Côtes Catalanes
18/20 Punkte im WeinWisser, Stephan Reinhardt schreibt:
„ 2/3 Macabeu, 1/3 Grenache Gris mit etwas Grenache Blanc. Zu 70% auf kargen, steinhaltigen Kalkböden gewachsen, ansonsten auf Mergel- und Schieferböden. Fünf Stunden auf der pneumatischen Presse, Ganztraubenpressung für mehr Feinheit und Frische, spontane Vergärung in neuen, schwach oder gar nicht getoasteten Eichenholzfässern unterschiedlicher Grössen. Klares, frisches, ganz leicht rauchiges und salziges Bouquet mit weissen und gelben Fruchtaromen (Pfirsich!) sowie zarter Vanille- und Traubensüsse. Am Gaumen super klar und filigran, sehr detailliert und präzise in der hellen frischen Frucht, salzig-mineralische Säure, sehr elegante und ausgewogene Textur, lang anhaltend und animierend, aber ohne jede alkoholische Wucht (13,5% Alk.). 12 500 Flaschen gefüllt.“
93/100 Punkte Robert Parker:
“The 2007 Domaine de l’Horizon Blanc (a blend of Macabeu and Grenache Gris with a smidgeon of Grenache Blanc) smells of diverse, pungent, musky flowers (narcissus, iris, and unidentifiable) citrus zest, and toasted nuts. A luscious, honeyed, yet refreshing and piquant palate mingles lime, fresh fig, white peach, and – like all of the best Grenache Gris-based Roussillon whites – evinces impossible-to-pin-down carnal and mineral dimensions (including a hint of Gewurztraminer-like bacon fat) that will keep you thinking about this wine long after its finish dies away ... and that is already a long time! The intriguing, invigorating piquant persistence here somehow resembles a combination of citrus zest, peach fuzz, and crystalline mineral dust. Incidentally, like its red counterpart, this wine is only 13.5% in alcohol. I can imagine this being fascinating to follow for at least 5-7 years.
Thomas Teibert is better-known in Roussillon as the agent for Austrian Franz Stockinger’s barrels than as vintner. He founded his Calc estate in 2006, after taking a degree in Geisenheim and having been involved with prominent wineries in southeastern Germany, St. Emilion, South Africa and northern Italy. With the help of German partners, he now has modest acreage in old vines, a proper cellar, and the means to pursue biodynamic viticultural methods, benefitting from a close relationship with Gerard Gauby as well as an insider’s insights into the work of many others of Roussillon’s most talented vignerons. As might be expected from his Stockinger connection, Teibert emphasizes barrels of 500 liter and larger capacity.”
Domaine de l`Horizon Rouge 2007, Vin de Pays des Côtes Catalanes
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18/20 Punkte im WeinWisser, Stephan Reinhardt schreibt: „2/3 Grenache, 1/3 Carignan von bis zu 100-jährigen Reben. Klares, leuchtendes Kirschrot mit bläulichem Reflex. Fast kühles, von mürber und doch frischer natürlicher Frucht (Kirschen, gebackene Waldbeeren) geprägtes Bouquet mit würzigen Tabaknoten, etwas Lakritz, dazu frisch gemahlener roter Pfeffer, rohes Fleisch, edles Holz, kalter Mokka. Eleganter, seidig-saftiger und finessenreicher Gaumen mit fülligem Körper, konzentriertem, momentan sehr schmeichelndem und süßem Fruchtfleisch (wiederum Kirschen und reife Waldbeeren) feiner Säurefrische und spannender mineralischer Grundstruktur, animierender Abgang, eine anhaltend dickschalige Beerenfrucht mit schönem Tanninbiss am Gaumen hinterlassend. Unbedingt einen halben Tag vor Genuß dekantieren – auch wenn der Wein momentan frisch geöffnet betört.“ |
93/100 Punkte Robert Parker:
“A gorgeous and highly distinctive aroma of purple plum, pomegranate, iris, marrow, and chalk dust rises from the glass of 2007 Domaine de l’Horizon Rouge (a blend of Grenache and Carignan), leading to a palate presentation of polish, clarity, and a remarkable degree of sheer refreshment, its plum and pomegranate accented with fresh ginger and underlain by deep, savory meatiness. This wine’s fresh fruit edge, illusive carnality, and aura of chalk dust persist into a finish guaranteed to call forth the next sip. Teibert proudly points out that his two week fermentation regimen for this wine included a single genuine (i.e. barefoot) pigeage. A lot of vintners – not just in Roussillon – should consider taking lessons in pedal technique from this gifted newcomer! I suspect his inaugural red will be worth following for at least 6-8 years.”
Im neuen Jahrgang 2008 begeistert die Domaine de l’Horizon mit vier Spitzencuvées:
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"Le Patriot 2008" von Thomas Teibert augenzwinkernd als Hommage an die großen Mosel-Rieslinge von J.J. Prüm bezeichnet, ist der spannende weisse Einstiegswein aus Macabeau, Grenache, Muscat und Petit Grain. Er duftet einladend floral nach Blüten, Rosenblätter und Grapefruit, am Gaumen entfalten sich feine reife Früchte die an Pfirsich und Mango erinnern. Der Abgang hat Länge und eine gewollt fordernde, nervige Salzigkeit. Der Wein schmeckt jetzt jugendlich frisch. Dekantieren und Genießen Sie den Wein aus dem großen Burgunderglas, das öffnet angenehm die feinen Aromen sowie die opulente Frucht. Seine ideale Trinkreife erreicht der Wein nach 3 bis 5 Jahren Lagerung. |
« Esprit de l´Horizon rouge 2008 »
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Der rote Junior der Domaine de l´Horizon. Dieser süffig feine Rotwein besteht vorwiegend aus Carignan und Grenache von den jüngeren Rebanlagen der Domaine, auch wenn diese schon zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Nach etwa 10 tägiger Maischegärung reift der Wein für ein Jahr in 500 l Tonneaux. Transparentes Karminrot, feines bereits geöffnetes Bouquet von roten Beeren und Gewürzen, ergänzt von einem Hauch Vanille. Er ist wie alle Horizons saftig und elegant bei ansprechender Länge. Schon jetzt herrlich zu trinken, wird er einige Jahre Freude bereiten, ist aber nicht zum langen Einlagern gedacht. |
« Domaine de l´Horizon blanc 2008 »
Die Weißweincuvée aus Macabeau, Grenache Gris, Grenache Blanc wächst vorwiegend auf Kalkschotter mit hohem Stein- und Tonanteil, teilweise stark Eisenoxidhaltig, Marne (Ton-Kalk-Schieferverwitterung (bläulich-graue Farbe), Schwarzer und brauner Schiefer. Langsame, schonende Ganztraubenpressung, statische Vorklärung (12-24 h), anschließend natürliche Gärung mit den Naturhefen im Holz (500 l, 600 l, 1200 l, 2000 l Fässer), Biologischer Säureabbau, 12 Monate auf der Hefe.
Funkelndes Goldgelb. Intensives Bouquet von gelben und weißen Früchten (Pfirsich, Birne, Melone, Ananas), eine duftende Sommerwiese mit Blumen und wilden Kräutern. Am Gaumen kraftvoll, vollmundig, dabei jedoch ungemein filigran und elegant durch die glasklare, reintönige Stilistik und die erfrischende Säure und Mineralität. Langes imposantes Finale. Großer Wein zu Krustentieren, gegrilltem Fisch und Kalb.
« Domaine de l´Horizon rouge 2008 »
Auch diese Cuvée besteht aus Grenache Noir und Carignan Noir. Die Böden sind ebenfalls extrem, vielfältig. Größtenteils werden ganze, ungequetschte Beeren verarbeitet. 14 tägige offene Maischegärung in Holz- und Beton. Minimale Extraktion, 12 Monate Ausbau in 500 l, 600 l, 1.200 l und 2.000 l Fässern.
Gedecktes Purpurrot mit blauen Anklängen, tiefes komplexes Bouquet von Waldfrüchten mit einer Spur Zimt und Gewürzen, frische Frucht, saftig und voluminös, lang. Trinkzeitpunkt: ab Mai 2010 für seine jungendliche, verführerische Frucht, in 3-4 Jahren für seine sich öffnende Komplexität und ab 2015 für sein volles entwickeltes Bouquet und seine Finesse. Am besten ebenfalls im großen Burgunderglas zu genießen.