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  • Gault Millau WeinGuide Deutschland 2012: Aktuelles aus den dreizehn Anbaugebieten.


    15.11.2011

    Die 13 deutschen Anbaugebiete im Überblick

    Ahr: Schumacher und Sermann-Kreuzberg mit drei Trauben

    Eine erfrischende Art und rotfruchtige Aromen wie Sauerkirsche prägen die Stilistik der ersten probierten Rotweine des Jahrgangs 2010, haben die Fachautoren des Gault Millau WeinGuide bei ihren Verkostungen festgestellt. Wem es gelang, die teilweise sehr hohe Säure mit zarter Restsüße einzubinden, hat si-cherlich den richtigen Weg gewählt, diesen eher leichgewichtigen Jahrgang zu interpretieren. Von den gehobenen Qualitäten, die im nächsten Jahr auf den Markt kommen, erwartet die Redaktion des Gault Millau einen eleganten, verspielten und leichteren Typ im Vergleich zu 2009.
    Mit den ausgezeichneten Spätburgunder aus dem Jahrgang 2009 konnten sich einige Güter stark profilieren. Die Kollektion von Paul Schumacher geriet so überzeugend, dass die dritte Traube Pflicht war. Sein Kräuterberg gehört in 2009 zum Feinsten, was die Ahr zu bieten hat. Auch das Gut Sermann-Kreuzberg in Altenahr hat den Aufstieg in die Drei-Trauben-Klasse verdient, stellt die Redaktion fest. Vom Brot- und Butterwein bis zur Spitze ist jeder Wein eine Empfehlung wert. Auf Tuchfühlung mit dem Spitzenquartett gehen die Weingüter Burggarten und Kreuzberg.
    Zu den Zwei-Trauben-Betrieben hat sich Erwin Riske vorgearbeitet. Das Gut von Hans-Joachim Brogsitter erhält zwei rote Trauben, nicht nur für die feinen 2010er, sondern auch für die Steigerung des Gesamtniveaus der vergangenen Jahrgänge. Mit je einer Traube ausgezeichnet wurden die Güter Kurth und Gebrüder Bertram. Die Kellerei Franz Sebastian aus Rech gehört jetzt mit einem soliden Sortiment zu den empfehlenswerten Betrieben, befinden Christoph Dirksen und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    Das Spitzenquartett, das die Ahr anführt, ist unangefochten: Adeneuer, Deutzerhof, Meyer-Näkel und Jean Stodden. Die Güte des 2009er Jahrgangs kommt auch in den Spitzenreiter-Listen der besten zehn Spätburgunder des Jahrgangs zum Ausdruck. Gleich zwei Ahrweine schafften den Sprung: Das »Große Ge-wächs« aus der Walporzheimer Gärkammer von Adeneuer und die Goldkapsel von Stodden.
    Insgesamt 22 Betriebe mit einer und mehr Trauben werden ausführlich bespro-chen, sechs weitere sind empfehlenswert.

    Baden: 2010er Grauburgunder die ganz großen Gewinner

    Der Ausnahmejahrgang 2009 hatte mit perfekt ausgereiftem Lesegut die allergrößten Erwartungen ausgelöst. Die Gault Millau Redaktion hat die sagenumwobenen Spätburgunder probiert und festgestellt, dass sie nicht ganz so sortentypisch und fein wie die Pinot Noirs aus dem sehr guten Vorjahr 2008 sind, eher kraftvoll mit viel Tiefgang und noch kaum entwickeltem Bouquet. Die Weine machen neugierig auf das, was die Flaschenreife noch bringen wird. Die Fülle und die reifen Tannine verführen schon zum baldigen Trinkgenuss, doch werden jene belohnt, die den besten Vertretern dieses langlebigen Jahrgangs noch ein paar Jahre Ruhe gönnen, finden Otto Geisel und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.

    Ganz großes Trinkvergnügen dagegen bieten sofort die feinnervigen, diesmal nicht ganz so opulent wie gewohnt ausfallenden Grauburgunder des Jahrgangs 2010. Diese Rebsorte, der es häufig an Säure mangelt, ist der ganz große Gewinner des eher schlanken und säurebetonten Jahrganges 2010, hat die Redaktion bei ihren zahlreichen Verkostungen ermittelt. Das Nachsehen haben ein wenig die Weißburgunder und Rieslinge, weshalb die Bewertungen im Vergleich zu den letzten drei Jahren etwas weniger hoch ausfallen.
    Schöne Entdeckungen gibt es wieder bei vielen Genossenschaften mit feingliedrigen Weißweinen (Auggen), ausdrucksstarken Rotweinen (Sasbach) und mit besonders gut gelungenen edelsüßen Raritäten (Durbach). Fündig kann der Weinfreund auch bei den empfehlenswerten Betrieben werden, zumal hier oft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis herrscht.
    Viel Bewegung gibt es in diesem Jahr bei den Trauben-Betrieben. Junge Güter mit neuen Konzepten drängen nach vorne und konkurrieren sehr selbstbewusst mit den etablierten Betrieben um die Gunst der Weinfreunde, berichten Geisel und Payne. Stellvertretend hierfür steht der bekennende Markgräfler Hanspeter Ziereisen. Mit einem markant kompromisslosen Stil sind seine Gewächse an Charakter derzeit wohl kaum zu übertreffen. Auf drei Trauben stieg Heinrich Männle aus Durbach auf, sympathischer Spezialist für im Holzfass gereifte Spätburgunder, die oft erst nach Jahren auf die Flasche gezogen werden. Gleich sieben Betriebe dürfen sich nunmehr mit zwei Trauben schmücken. Dazu bereichern neun Neulinge die Traubenriege.
    Bernhard Huber rangiert nach wie vor mit fünf Trauben alleine an der Gebietsspitze. Der Malterdinger punktete bei den Spitzenreitern gleich zweimal dop-pelt. Zum einen gelang es ihm, zwei Sekte unter die besten zehn aus ganz Deutschland zu platzieren (2005 Hecklinger Schlossberg Brut nature Rosé und 2005 Pinot Brut). In seiner Paradedisziplin, dem Spätburgunder, gehören der Wildenstein und der Hecklinger Schlossberg zu den besten fünf des Jahrgangs 2009. Zweimal schafft Bercher den Sprung in die Top Ten: mit einem Spätbur-gunder und einem Grauburgunder, beide aus dem Burkheimer Feuerberg.
    Insgesamt werden im neuen Gault Millau WeinGuide 93 Erzeuger aus Baden ausführlich dargestellt, weitere 39 Betriebe gelten als empfehlenswert.

    Franken: Auch in 2010 die besten Silvaner Deutschlands

    Nach einem ausgezeichneten Silvaner-Jahrgang in 2009 stehen die 2010er in der Qualität kaum nach. Vor allem Winzer, die die letzten 14 Oktobertage für die Lese nutzten, wurden mit hohen Mostgewichten überrascht, berichten Rudolf Knoll und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne. Insgesamt registrierte die Redaktion ein ausgezeichnetes, gleichmäßiges Niveau. Gegen-über dem hoch eingeschätzten Jahrgang 2009 gibt es allenfalls Abstriche bei der »Gewichtsklasse« zu machen. Weißweine mit deutlich mehr als 13 Volu-menprozent Alkohol waren selten. Die spielerische Leichtigkeit vieler Silvaner und Rieslinge sorgt für Trinkvergnügen.
    Die besten Silvaner des Jahrgangs, die zugleich die besten in ganz Deutschland sind, stammen gleich zweimal vom Würzburger Juliusspital (Würzburger Stein und Iphöfer Julius-Echter-Berg). Doch auch das Iphofener Gut Wirsching kann einen Doppelschlag landen: mit Silvaner aus dem Julius-Echter-Berg und dem Kronsberg. Zweifache Erwähnung auch für Rainer Sauer (Escherndorfer Lump und »Freiraum«) sowie für Horst Sauer (Escherndorfer Lump und »Sehnsucht«).
    Schmitts Kinder, Fürst Löwenstein und das Würzburger Bürgerspital komplettieren die Liste der besten Silvaner des Jahrgangs 2010.
    An der Spitze im Gebiet steht nach wie vor ein Quartett, wobei Fürst (Bürgstadt) die Nase leicht vorn hat. Horst Sauer, Fürst Castell und das Juliusspital runden die führende Riege ab. Eine Stufe weiter unten machten die Weine von Rainer Sauer und von Graf von Schönborn auf breiter Front besonders viel Spaß. Der Staatliche Hofkeller in Würzburg hat sich ebenso behauptet wie die letztjährigen Mitaufsteiger Egon Schäffer, Glaser-Himmelstoß und Dr. Heigel.
    Ansonsten gab es wenig Bewegung in der Hierarchie der Traubenbetriebe. Ein-zig die Zwei-Trauben-Klasse erhielt Zuwachs: Christian Stahl aus Auernhofen am Rande des Taubertals präsentierte eine überzeugende Kollektion. Neu unter den Traubenbetrieben ist Christine Pröstler aus Retzbach.
    Insgesamt werden 68 Güter und ihre Weine im neuen Gault Millau WeinGuide ausführlich vorgestellt, 26 weitere schafften die Aufnahme in die Rubrik der empfehlenswerten Betriebe.

    Hessische Bergstraße: Die Bergsträßer Winzer steigen auf

    Das lange Hängenlassen der Trauben bescherte den Bergsträßer Weinen des Jahrgangs 2010 oft eine frappante Aromendichte. Doch nur wenige Weine sind dicht, lang, zeigen eine wunderbare Frucht und eine reife Säure. Im führenden Weingut Simon-Bürkle muss man nach solchen Weinen nicht lange suchen. Und die Bergsträßer Winzergenossenschaft darf sich dank ihrer konstant guten Leistungen künftig in der Zwei-Trauben-Riege beweisen.
    Einen positiven Trend verzeichnet auch das Hessische Staatsweingut: Die Domäne Bergstraße hat Fortschritte gemacht. Das Weingut Edling kam mit den 2010ern gut zurecht und tischte eine Kollektion guten Niveaus auf. Die bemerkenswerten Rotweine von Hanno Rothweiler werden von einer erfreulichen Weißweinkollektion ergänzt. Auch die Odenwälder Winzergenossenschaft konnte die Erwartungen weitgehend erfüllen. Als sichere Bank erwies sich einmal mehr das Weingut Brücke-Ohl. Und es gibt zwei Neulinge: das Weingut Weinfieber und die Weinmanufaktur Montana.
    Wegen der geringen Erntemenge wird es sicherlich zu Engpässen kommen. Am besten kommt man in den Genuss der Weine bei einem Vor Ort-Besuch an der Bergstraße, raten Hans-Wilhelm Apelt und Joel Payne, Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, den Weinfreunden.
    Vier Traubenbetriebe von der Hessischen Bergstraße sind im neuen WeinGuide gelistet, sieben weitere Güter werden als empfehlenswert eingestuft.

    Mittelrhein: Matthias Müller ist »Winzer des Jahres«

    Matthias Müller ist vielleicht die größte Konstante in der Region zwischen Bingen und Bonn. Bereits in den Anfangsjahren des WeinGuide war er »Entdeckung des Jahres«. Fast 15 Jahre später wird seine großartige Arbeit nun mit der höchsten Auszeichnung belohnt, dem Ehrentitel «Winzer des Jahres«.
    Müller hat sich auch diese Ehrung wahrlich verdient, wie die aktuelle Kollektion zeigt. Die 2010er Weine sind durch die Bank von gewohnt hoher Qualität, das

    »Große Gewächs« trägt seinen Namen völlig zu Recht, und auch die anderen Spitzengewächse, die den Zusatz »MM« tragen, sind wieder beeindruckend gelungen, etwa der feinherbe Mandelstein, der wieder einmal zu den besten zehn des Jahrgangs gehört. »Müller ist auf Top-Ten-Weine in dieser Kategorie quasi abonniert, jedes Jahr sind Weine von ihm ganz vorn dabei. Der hochklas-sige feinherbe Riesling ist so etwas wie ein Markenzeichen Müllers geworden«, freuen sich Peter Gebler und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    2010 war kein leichter Jahrgang – ein Anbaugebiet, das sich so stark auf den Riesling stützt, wird naturgemäß von einem solch säurereichen Jahrgang stark tangiert. Oft kamen Trauben in die Keller, die sich zunächst gar nicht für trocke-ne Spitzenweine eigneten. Die Erntemenge war klein – Rückgänge gegenüber einem normalen Jahr von 30 bis 50 Prozent wurden gemeldet. Wer den Mut hat-te, mehr restsüße Weine zu produzieren, lag richtig, meint die Redaktion. Bei den edelsüßen Weinen ist es ohnehin klar, dass die Säure ein gutes Rückgrat für langlebige Weine bietet, in dieser Kategorie wurden einige Prachtexemplare verkostet.
    In der Hierarchie der besten Mittelrhein-Betriebe hat es kaum Veränderungen gegeben. In dem schwierigen Jahr 2010 hat sich gezeigt, dass die bekannten Könner auch in diesem Jahr ihre Aufgabe erfolgreich gemeistert haben. Bei den Vier-Trauben-Betrieben kommen die Weine weiterhin vom Bopparder Hamm, Matthias Müller hatte bei den trockenen Weinen die Nase vorn, und Florian Weingart hat im edelsüßen Bereich die Spitze geliefert. Das Verfolgerduo sind nach wie vor Jost und Ratzenberger aus Bacharach. Die Redaktion des WeinGuide nahm einen neuen Betrieb mit einer Traube auf: das Weingut Sebastian Schneider in Bad Hönningen.
    Das romantische Mittelrheintal, von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben, bleibt fest in den Händen von einigen leistungsfähigen Familienbetrieben, von denen der neue Gault Millau WeinGuide 18 in der Traubenklasse vorstellt. Dazu kommen weitere acht empfehlenswerte Betriebe.

    Mosel: Egon Müller erzeugt die »Kollektion des Jahres«

    Als im Herbst 2010 noch Trauben an den Stöcken hingen, hatten viele Auguren den Jahrgang bereits in Bausch und Bogen verdammt. Richtig ist, dass Glanz und Elend in einem Jahr wohl selten so nahe beieinander lagen. »Zwischen gött-lich und grausam pendelten die Eindrücke unserer ausgedehnten Verkostungen. Eine Vielzahl enttäuschender Weine wurde gefüllt, auf der einen Seite. Aber es entstanden auch Auslesen, die besser kaum sein könnten, echte Weltklasse eben«, sagen Dr. Peter Henk und Dr. Eckhard Kiefer sowie der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    Einer derjenigen, die solche Ausnahme-Rieslinge auf die Flaschen brachten, ist Egon Müller vom legendären Scharzhof an der Saar. Dem Traditionsgut ist es mit den 2010ern gelungen, solch großen Jahrgängen wie 2003 und 2005 einen ebenbürtigen Konkurrenten an die Seite zu stellen. Die Titel »Beste Riesling Spätlese« (sensationelle 96 Punkte) und »Beste Riesling Auslese« (98 Punkte) sowie eine mit 100 Punkten geadelte Trockenbeerenauslese sind die Glanzpunkte eines grandiosen Sortiments aus dem Scharzhofberg – der »Kollektion des Jahres«!


    Ein Jahr wie 2010 bringt es mit sich, dass unterschiedlichste Interpretationen des Auslese-Stils vorgestellt werden. Zwischen den einzelnen Weinen können Mostgewichtsunterschiede von bis zu 50 Grad Öchsle und mehr liegen. Die gan-ze Bandbreite von klassisch-elegant bis zu opulenter, edelsüßer Fülle wird ab-gedeckt. Das herausragende Beispiel hierfür ist die Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel des Weinguts Fritz Haag, ein großer edel-süßer Wein. Diese Perfektion würdigt der Gault Millau WeinGuide mit 100 Punk-ten!
    Wirklich herausragende trockene und feinherbe Rieslinge muss man in 2010 schon mit der Lupe suchen. Bei der unvermeidlichen Entsäuerung wurde selten das rechte Maß getroffen. Viele dieser Rieslinge zeigen eine beachtliche Kon-zentration, wirken aber fast leblos oder weisen krautige Noten auf. Dass es auch anders ging, belegen die kraftvollen »Großen Gewächse« von Kesselstatt, Grans-Fassian und Loosen sowie Markus Molitors Klassiker aus der Zeltingen Sonnenuhr. Von dort stammt auch der beste Kabinett des Jahrgangs: ein saftig-konzentriertes Molitor-Meisterstück.
    Die Saar hat diesmal durchweg die Nase vorn. Die herrlich animierende feinherbe Spätlese des Hauses von Hövel aus dem Scharzhofberg ist der Siegerwein des Jahres in der Kategorie der feinherben Rieslinge. Prachtvolle Sortimente stellten auch Lauer, der Urbans-Hof sowie Zilliken und an der Ruwer Maximin Grünhaus vor. Dieses altrenommierte Gut der Familie von Schubert hat die letzt-jährige Aufstufung in vollem Umfang bestätigt und scheint auf dem Weg zu noch höheren Leistungen zu sein.
    An der Mittelmosel sind einige sehr feine Spätlesen entstanden. In der Regel weisen diese Weine Restzuckergehalte wie gute Auslesen auf. Doch die prägnante Säure des Jahrgangs gibt ihnen belebendes Spiel. An erster Stelle sind hier Theo Haarts Ohligsberg und die Wehlener Sonnenuhr Versteigerung von J. J. Prüm zu nennen.
    Kein anderes Anbaugebiet verfügt über eine solche Phalanx an Spitzen-Weingütern wie die Mosel. Fritz Haag, Egon Müller und Joh. Jos. Prüm bilden das Triumvirat der weltbesten Weinerzeuger an der Gebietsspitze. Ihm folgt ein Dutzend Weingüter mit vier Trauben. In keiner anderen Region ist das Mittelfeld im Traubenbereich so stark wie an Mosel, Saar und Ruwer.
    Über drei Trauben darf sich das Weingut Ansgar Clüsserath freuen. In die Zwei-Trauben-Riege sind aufgestiegen Frank Brohl, Falkensteiner Hof, Immich und Günther Steinmetz. Lang ist die Liste der neuen Ein-Trauben-Güter mit insgesamt 12 Aufsteigern, so viele wie in keinem anderen Gebiet.
    Insgesamt 134 Betriebe und ihre Weine haben die Autoren an Mosel, Saar und Ruwer ausführlich besprochen, so viele wie in keiner anderen deutschen Weinregion. Hinzu kommen 64 als empfehlenswert eingestufte Güter.

    Nahe: Jakob Schneider und Hermannsberg bärenstark

    Das Weingut Schäfer-Fröhlich hat im Jahrgang 2010 am besten gearbeitet und die stärkste Kollektion an der Nahe vorgestellt, gefolgt von den filigranen Glanzstücken Emrich-Schönlebers und den in sich ruhenden Preziosen Helmut Dönnhoffs. Beim Schlossgut Diel wirken die trockenen Weine filigran und mineralisch wie nie zuvor und strahlen eine ganz eigene Faszination aus.

    Die Überraschung des Jahres aber stammt von der Mittleren Nahe: Die Formkurve des Weinguts Jakob Schneider aus Niederhausen weist seit Jahren steil nach oben. Sowohl bei den trockenen wie bei den edelsüßen 2010er Rieslingen wur-den die Feinheiten der Weine aus den Weinbergen Hermannshöhle, Dellchen, Klamm und Felsensteyer beeindruckend herausgearbeitet, lautet das Fazit von Carsten Henn und Joel Payne, Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide.
    Mit gigantischen Schritten nähert sich das Gut Hermannsberg der Gebietsspitze – die 2010er Kollektion ist hier sogar noch stärker als die 2009er. Der körper-reich-massive Stil bringt eine ganz neue Farbe in die Weinwelt der Nahe. Christian Bamberger aus Bad Sobernheim erhält dank modern vinifizierter Weißweine und üppiger Roter die erste Traube. Das trifft auch auf Steffen Montigny zu, der nun ein eigenes Weingut in Bretzenheim führt. Weingenießer finden dort übri-gens auch Tropfen aus Schleswig-Holstein, wo Montigny auf zwei Hektar Reben anpflanzte. Auch das Weingut Clemens Honrath in Langenlonsheim hat sich die erste Traube verdient.
    Fielen beim 2009er Jahrgang, den manche Nahe-Winzer für einen der besten ihrer Karriere halten, viele weiße Burgunder für die Region untypisch muskulös aus, zeigen sie 2010 wieder eine rassige Säure. Neben den Windesheimer Be-trieben wie Lindenhof, Poss und Gebrüder Kauer präsentierten auch die Klostermühle und das Weingut von Sascha Montigny in Laubenheim starke Tropfen, wobei die Grauburgunder fast immer die Nase vorn haben.
    Einige Weine konnten Nahegüter in diesem Jahr auch wieder in den bundes-deutschen Spitzenreiter-Listen platzieren. Die meisten Nennungen erzielte erneut das Weingut Schäfer-Fröhlich aus Bockenau. Bei den Riesling Spätlesen landeten gleich zwei Weine von Tim Fröhlich in den Top Ten: aus der Hauslage Bockenauer Felseneck, einmal mit und einmal ohne Goldkapsel. Beide Weine erzielten starke 93 Punkte. Mit einem Riesling schnitt Fröhlich auch bei den Kabinetten erfolgreich ab.
    Übertrumpft wurde er in dieser Kategorie aber von Altmeister Helmut Dönnhoff, der seinen Kabinett aus dem Oberhäuser Leistenberg unter den besten sechs platzieren konnte – und damit als einziger die Phalanx der starken Moselweine durchbrach. Einen Doppelschlag landete Werner Schönleber: Sein halbtrockener Halenberg verpasste mit dem hervorragenden Platz zwei nur knapp den Sieg in der Kategorie Riesling feinherb, und sein Eiswein Goldkapsel aus gleicher Lage räumte bei den Edelsüßen satte 98 Punkte ab!
    Insgesamt 42 Betriebe haben die Autoren ausführlich mit Weinbewertungen beschrieben; 21 weitere werden empfohlen.

    Pfalz: Von Winning ist der »Aufsteiger des Jahres«

    Das Deidesheimer Weingut von Winning – Dr. Deinhard mit seinem Geschäftsführer Stephan Attmann ist »Aufsteiger des Jahres 2012«. »Was wir an trockenen Weinen verkosteten gehörte zum Besten des Jahres in der Pfalz. Die Kabinettweine sind mustergültige Beispiele für Lagentypizität. Es ist vor allem die bril-lante Finesse und die feinsalzige Mineralität der Rieslinge, die uns begeistern«, lautet das Urteil von Jürgen Mathäß, Matthias Mangold und dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne. Eine außergewöhnliche Reihe von sechs »Großen Gewächsen«, von denen die besten ganz vorne mitspielen, ergeben ein beeindruckendes Gesamtbild.

    Während 2009 die Rieslinge der Pfalz wieder etwas kraftvoller ausfielen, gingen die 2010er noch stärker in die schlanke, säurebetonte Richtung. Da nicht jedes Weingut dies zur Harmonie brachte, konnte man sowohl unnatürlich entsäuerte wie aggressiv saure Weine verkosten, allerdings auch hervorragende, filigrane und lebendige Weine im allerschönsten Rieslingstil. Neben der erneut beeindru-ckenden Riesling-Phalanx von Bürklin-Wolf an der Spitze gab es vor allem bei Mosbacher, Kranz, Pfeffingen, von Winning, Bassermann-Jordan und Rebholz gleich mehrere großartige Beispiele, dazu aber auch eine Reihe hervorragender einzelner Weine anderer Erzeuger.
    2009 bescherte den Winzern großartige Möglichkeiten, überdurchschnittliche Rotweine zu keltern. Der Schweigener Fritz Becker ist zwar nach wie vor uner-reicht auf diesem Segment. Doch die Zahl der hervorragenden Spätburgunder stieg 2009 nicht nur aufgrund guter Witterung, sondern weil vermehrt Keller-meister an Stil und Qualität dieser Sorte arbeiten. Neben seit Jahren stabilen Spitzenerzeugern wie Wehrheim, Bernhart, Rebholz, Knipser oder Philipp Kuhn erreichen nun auch Weingüter Top-Bewertungen, die mit großen Spätburgundern bisher weniger aufgefallen waren. Dazu gehören beispielsweise Bernhard Koch, der Wilhelmshof, der Hirschhorner Hof oder das Freinsheimer Weingut Rings, das insgesamt eines der spektakulärsten Sortimente verschiedener Rebsorten vorstellen konnte.
    Für edelsüße Weine war 2010 kein besonders geeigneter Jahrgang. Umso er-staunlicher sind einige Spitzenleistungen, bei denen fast alles zusammenpasste – weithin überragt von einer schier unglaublichen Scheurebe Trockenbeeren-auslese des Weinguts Dengler-Seyler mit sensationellen 97 Punkten.
    Bei der Bundesfinalprobe räumte die Pfalz regelrecht ab. Insgesamt 25 Weine landeten in den trockenen Kategorien unter den jeweils zehn Besten des Landes. Etliche Mehrfachnennungen sind darunter. Hansjörg Rebholz schaffte den Sprung gleich viermal. Sein Pinot-Sekt belegte Rang zwei, bei den weißen Burgundersorten gingen die Plätze zwei und drei an den Siebeldinger Winzer, und auch sein trockener Riesling aus dem Kastanienbusch rangiert ganz vorne. Friedrich Becker aus Schweigen stellt den Rotwein des Jahres, ein weiterer Spätburgunder gehört zu den besten vier im Lande. Dazu kommt sein Graubur-gunder »Kalkmergel« in den Top Ten der weißen Burgundersorten.
    Drei Spitzenplätze kann auch das Weingut Knipser in Laumersheim vorweisen. Gleich zwei Spätburgunder unter den ersten sechs sind dabei, der RdP hat gar den Sprung auf Rang zwei geschafft. Außerdem stellt Knipser einen der besten Sauvignon blancs im Lande. In diesem neuen Ranking teilen sich die Pfalz und Württemberg die oberen Plätze. Erwähnt werden muss noch der Mandelberg Weißburgunder von Dr. Wehrheim, der wieder einmal seine Kategorie gewinnen konnte. Mit seinem Chardonnay »Keuper« brachte der Birkweiler Winzer gar noch einen zweiten Wein unter die besten zehn.
    In der Hierarchie der Güter gibt es Bewegungen. Gleich drei Betriebe können sich über die dritte Traube freuen: Der Süßwein-Spezialist Frey in Essingen, das Bad Dürkheimer Weingut Egon Schmitt und der Wiederaufsteiger Siegrist in Leinsweiler. In der Zwei-Trauben-Klasse sind jetzt Jülg, Bernhard Koch und Karl Schaefer. Gleich sieben neue Betriebe wurden in die Traubenklasse aufgenom-men: Hirschhorner Hof, Andres und Mugler, Braun, Kirchner, Langenwalter, am Nil und Valentin Ziegler.
    Insgesamt zählen die Autoren 91 Erzeuger zu den Traubenbetrieben. Außerdem werden 46 weitere Betriebe empfohlen.

    Rheingau: Spannende Weiße und grandiose Rote

    Der Jahrgang 2010 im Rheingau wird als herausforderndes, aber letztlich besser als befürchtetes Jahr in die Historie eingehen. Wer spät ernten konnte, profitierte von dem großartigen Herbstwetter, das für viele Winzer buchstäblich in letzter Minute das Blatt wendete. Es zeigt sich einmal mehr, dass schwierige Jahre keine schlechten sein müssen, denn gerade hier trennt sich die Spreu vom Wei-zen. »Wir verkosteten rassig-pikante Rieslinge mit schlanker Eleganz, klirrender Klarheit und einer animierend zupackenden Fruchtsäure«, loben Giuseppe Lauria und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    Die rest- und edelsüßen Weine werden, wegen des ausgeprägten Spannungs-bogens von Süße und lebendiger Säure, noch in Jahrzehnten begeistern. Eine weitere positive Seite des Jahrgangs ist der moderate Alkohol. Spitzenrieslinge mit 12 Volumenprozent Alkohol waren im letzten Jahrzehnt eher selten.
    An der Spitze der Region festigt das Weingut Weil mit einer äußerst homogenen Kollektion mit grandiosen Edelsüßen seine Spitzenstellung. Dicht dahinter hat sich Johannes Leitz mit beeindruckenden Qualitäten formiert. Die Breuers gewannen aus ihren Rüdesheimer Steillagen wieder charakterstarke Rieslinge, allen voran aus dem Berg Schlossberg, der wieder in der Kategorie der besten trockenen Rieslinge Deutschlands landete. Gunter Künstler bescherte erneut eine bärenstarke Kollektion, mit der er den letztjährigen Aufstieg eindrucksvoll bestätigte. Die stärksten Weine von den Drei-Trauben-Gütern zeigte Kühn.
    Noch nie hat die Gault Millau Redaktion im Rheingau eine solche Phalanx an großartigen Rotweinen verkostet wie aus dem Jahr 2009. Allen voran präsentierte der Rotweinpapst Kesseler exzellente Tropfen mit einer unverkennbaren La-gentypizität aus Assmannshausen und Rüdesheim. Doch auch die Rotweinspe-zialisten aus dem Drei-Trauben-Bereich wie die Domäne Assmanshausen, das Weingut Krone sowie Robert König konnten überzeugen.
    Neu in der Drei-Trauben-Klasse ist das Weingut Ress in Hattenheim, das eine rundum überzeugende Leistung bot. Bei den Zwei-Trauben-Betrieben präsen-tierten Langwerth von Simmern, August Eser und Corvers-Kauter die stärksten Kollektionen. Mit Allendorf und Abel schafften gleich zwei Güter aus Oestrich-Winkel den Aufstieg in die Zwei-Trauben-Klasse. Ebenso wie Chat Sauvage, das sich mit »burgundischen« Pinots als Rotweinspezialist im Rheingau etabliert.
    Im neuen Gault Millau WeinGuide werden insgesamt 69 Güter und ihre Weine ausführlich vorgestellt. 16 empfehlenswerte Betriebe runden das Angebot aus dieser Region ab.

    Rheinhessen: Keller und Raumland Spitze

    Rheinhessen hat den trockenen Weißwein revolutioniert und bietet für Konsumenten eine große Bandbreite an Silvanern, Weißburgundern, Rieslingen oder Scheureben zu teils außerordentlich günstigen Preisen. Das ist das Fazit von Manfred Lüer und dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, nach umfangreichen Verkostungen.
    Dabei zieht sich der Qualitätsanspruch inzwischen wie ein roter Faden quer durch die gesamte Region: Der Wonnegau, einst Epizentrum der neuen Umwäl-zungen, hat keine Vormundschaft mehr. Starke Weine wachsen von Nord nach
    Süd, etwa bei Bingen (Riffel), Appenheim (Bischel, Hofmann, Knewitz), Mainz-Ebersheim (Eva Vollmer), Saulheim (Landgraf, Thörle), Ingelheim (Bettenheimer), Gau-Odernheim (Becker Landgraf), Alzey-Heimersheim (Koehler), Nierstein (Schätzel), Bechtheim (Dreissigacker, Weinreich), Osthofen (May) bis nach Met-tenheim (Sander), Hohen-Sülzen (Battenfeld-Spanier) und Monsheim (Milch).
    Tatsächlich gibt es Weine aus 2010 in Rheinhessen, die mit außergewöhnlich hohen Extrakten und einer rassigen, festen Säure ihren Vorgängern überlegen sind. Bei den rest- und edelsüßen Rieslingen etwa kelterte Klaus-Peter Keller ein atemberaubendes Füllhorn an Spitzenweinen. Der Bogen reicht von der mineralisch-kühlen, feinen Spätlese aus dem Pettenthal bis zur grandiosen Essenz einer Trockenbeerenauslese Goldkapsel aus der Westhofener Abtserde: Ein Meisterwerk, das ein Menschenleben überdauern wird – und von der Redaktion auf Anhieb die Traumnote 100 bekam.
    Aber natürlich ließ es Klaus-Peter Keller mit dem besten edelsüßen Riesling des Jahrgangs nicht bewenden. Sein »Großes Gewächs« aus dem Westhofener Mor-stein ist der beste trockene Riesling des Jahrgangs in Deutschland – und mit 95 Punkten auch der am höchsten bewertete. Mit einem Punkt weniger ergatterte der »G-Max« auch noch den vierten Platz in der Hitliste. Nur zwei Plätze dahinter steht ein weiterer beeindruckender trockener Rheinhesse, ebenfalls aus dem Westhofener Morstein, ebenfalls ein »Großes Gewächs«: Philipp Wittmann überzeugte mit diesem Ausnahmewein auf der diesjährigen Bundesfinalprobe.
    Mit Kellers fulminantem Auftritt konnte beim Finale nur ein Betrieb aus Rheinhessen mithalten: das Sekthaus Raumland, auch in Flörsheim-Dalsheim zuhause. Gleich drei Sekte von diesem Ausnahme-Betrieb schafften den Sprung in die Top Ten der besten Winzersekte des Landes. Die Plätze eins, drei und fünf gingen an Raumland. An der Spitze steht der 2001 »MonRose« Brut, ein Sekt, der sogar die kritischen Verkoster auf der Finalprobe ins Schwärmen brachte: »Verführerischer Duft von Brioche, Herbstblättern und Buttercremetorte, behauptet sich spielend zwischen Prestige-Champagnern, einer der besten jemals in Deutschland produzierten Sekte«.
    Gleich vier Güter schafften den Sprung in die Zwei-Trauben-Riege: Neben Braunewell aus Essenheim, Koehler in Alzey-Heimersheim, Landgraf in Saulheim auch Eva Vollmer in Mainz-Ebersheim. Die Redaktion begrüßt sieben Neulinge (und alte Bekannte) in der Ein-Trauben-Klasse: Bürgermeister Carl Koch Erben in Oppenheim, Müller-Dr. Becker in Flörsheim-Dalsheim, Jakob Neumer in Uelversheim, den Rappenhof in Alsheim, Arno Schröder aus Wahlheim, Wagner aus Essenheim sowie Weinreich in Bechtheim.
    Insgesamt 94 Trauben-Betriebe in Rheinhessen werden ausführlich beschrie-ben. 66 weitere sind als empfehlenswert eingestuft, darunter einige Neulinge.

    Saale-Unstrut: Vermehrt Kabinettweine erzeugt

    Im Jahr 2010 wurden an Saale und Unstrut kaum Spätlese-Qualitäten eingefah-ren. Dafür präsentieren die Winzer vermehrt Kabinett-Weine. Einige Erzeuger setzten auf kompromisslos trockene Weine, andere pufferten die hohen Säure-werte durch mehr Restzucker ab. »Positiver Nebeneffekt sind eher niedrige Al-koholwerte bei den Weißweinen. Behutsames Entsäuern zum richtigen Zeit-punkt brachte die besten Ergebnisse«, hat Matthias Dathan zusammen mit dem Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, bei zahlreichen Verkos-tungen festgestellt.

    Die beste Kollektion kam erneut vom Weingut Pawis, das nun schon seit Jahren an der Spitze steht. Doch auch hier gab es in 2010 nur sehr wenig Wein. Die Weine von Uwe Lützkendorf zeigen eine mineralische Ausprägung, wie sie im Gebiet sonst nur sehr selten zu finden ist. Auf ähnlich hohem Niveau bewegt sich André Gussek aus Naumburg. Seine Weine aus Alten Reben überzeugen jedes Jahr und die Rotweine bilden wieder die Regionsspitze, auch wenn die 2009er schlanker ausfallen.
    Das Weingut Zahn hat sich in den letzten beiden Jahren sehr positiv entwickelt. Dafür gibt es von der Redaktion die erste Traube. Die erste Kollektion kam vom Weinhaus zu Weimar, einer Gründung des Prinzen zur Lippe aus Sachsen. Öst-lich von Weimar hat er Reben auf über 35 Hektar historischer Flächen gepflanzt. Eine neue Betriebsstätte wird noch durch ein Kellergebäude erweitert.
    Die meisten Winzer an Saale und Unstrut haben in den letzten Jahren viel inves-tiert. So wurden auch neue Weinberge angelegt, flächenmäßig rangiert das Ge-biet jetzt sogar vor der Ahr. Die Nachfrage nach den Weinen ist stärker denn je.
    Insgesamt neun Erzeuger wurden mit Trauben ausgezeichnet. Weitere sechs Betriebe halten die Autoren für empfehlenswert.

    Sachsen: Von 2010 gibt es kaum Basisweine

    Der Weinbau in Sachsen erlebte in den letzten Jahren zwar eine Renaissance, doch nur der Jahrgang 2008 füllte zuletzt die Keller. 2009 reduzierte Frost die Mengen erheblich, 2010 hatten die Winzer vor allem mit Fäulnisproblemen und zu hoher Säure zu kämpfen – und am Ende erneut erhebliche Mengeneinbußen zu verzeichnen. Selbst bei großen Weingütern gab es nur wenig Basisweine aus Müller Thurgau oder Goldriesling.
    Die 2010er Weine können sehr unterschiedlich ausfallen. Viele Weine zeigen Spuren unbeherrschten Einsatzes von Entsäuerung, andere Weine wurden sogar in ihrer hohen Säure belassen. Gut war der Jahrgang aber für den Traminer, der oft eine eher untypische Frische und Säure aufweist. Die 2009er Rotweine ha-ben eine gute Struktur, sie animieren zum Trinken. Das haben Matthias Dathan und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne, in zahlreichen Verkostungen ermittelt.
    Die größeren Weingüter kamen mit den Problemen in 2010 noch am besten zurecht. Die besten Weine stellten Proschwitz und Schloss Wackerbarth vor. Nur wenige kleinere Betriebe können da mithalten, am ehesten noch Klaus Zimmer-ling, Martin Schwarz und Friedrich Aust.
    Erwähnenswert ist die Verbesserung der Weinqualität der Genossenschaft in Meißen. Mit über 150 Hektar deckt die Kooperative einen großen Teil der Ge-samtfläche ab. Ansonsten bleibt weiterhin die kleine Schar an qualitätsorien-tierten Weingütern, die ihre Weine auch überregional erfolgreich vermarkten. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Kleinbetrieben, die den regionalen Markt bedienen oder ihre Weine im hauseigenen Gutsausschank an den Gast bringen.
    Es sind ingesamt acht Güter, die in Sachsen mit einer oder mehr Trauben ausge-zeichnet wurden. Hinzu kommen noch fünf empfehlenswerte Betriebe.

    Württemberg: Weingärtner Cleebronn-Güglingen »Entdeckung des Jahres«

    Die Weingärtner in Cleebronn-Güglingen sind die »Entdeckung des Jahres« im Gault Millau WeinGuide 2012. Es ist absolut vorbildlich, mit wie viel Sorgfalt in dieser immerhin 280 Hektar großen Genossenschaft selbst die »kleinen« Weine erzeugt werden. In der Mittelklasse ragen Lemberger und Spätburgunder mit tollem Preis-Genuss-Verhältnis hervor, doch auch die 2010er Weißweine können gefallen. Und in der Rotwein-Spitzenklasse kann man locker mit den »Großen Gewächsen« der Region mithalten. »Wir sind beeindruckt, wie konsequent sich hier ein neues Qualitätsbewusstsein durchgesetzt hat«, loben Frank Kämmer und der Chefredakteur des Gault Millau WeinGuide, Joel Payne.
    Beim Riesling hat sich bei den Verkostungen des Jahrgangs 2010 Ernüchterung breit gemacht. »Wir wähnten uns in der Gewissheit, dass charmefreie Rieslinge mit grüner Säure in Württemberg längst überwundene Relikte aus den 1980er Jahren seien», heißt es in der Redaktion. Doch der Jahrgang 2010 brachte die Erkenntnis, dass schwäbische Rieslinge, wenn sie denn nicht vollständig ausreifen können, schnell in eine herbe Rustikalität verfallen.
    Der Sauvignon Blanc hat als Global Player nun auch eine interessante Nische in Württemberg besetzt. Die Verkoster waren verblüfft, wie viele Betriebe dieses Jahr Weine dieser Rebsorte vorgestellt haben, und offensichtlich treffen diese auf eine rege Nachfrage in der Region – anders lässt sich das teilweise doch sehr selbstbewusste Preisniveau nicht erklären. Einige zählen auch dieses Jahr wieder zum Besten, was diese Sorte in Deutschland zu bieten hat. An der Spitze stehen gleich zwei Weine von Aldinger (drei Sterne und »Ovum«), ein Fellbacher Lämmler von Heid, sowie zwei weitere Vorzeigestücke von Schnaitmann (drei Sterne) und Drautz-Able (Hades).
    In der Hitliste der Betriebe hat sich vorerst nichts geändert. Die beiden Stars aus Fellbach, Aldinger und Schnaitmann, bleiben unerreicht. Mit aufsteigender Tendenz reiht sich nun Graf Neipperg in die Spitzengruppe der Drei-Trauben-Kategorie neben Haidle und Dautel ein. Jürgen Ellwangers Sohn Andreas schafft den Aufstieg in die Klasse der Ein-Trauben-Betriebe. Bei den Genossenschaften, die hier rund drei Viertel der Ernte verarbeiten, bestätigt die Weinmanufaktur Untertürkheim souverän ihre Stellung als beste Kooperative Deutschlands.
    Die Autoren stellen die 40 besten Betriebe des Anbaugebietes ausführlich mit-samt ihren Weinen vor und geben 27 weitere Empfehlungen, die oft zu interessanten und auch preiswerten Weinen führen.

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